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Motiv im Schlüterhof des Zeughauses |
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Motiv auf der Oranienburger Straße |
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Büste der Nofretete, Neues Museum |
Nahezu
unbegrenzte kulturelle Viellfalt und starke kulturelle Kontraste machen
Berlin Mitte besonders interessant. Der Umfang des kulturellen
Spektrums verweigert sich einer Darstellung im Rahmen eines Posts,
weshalb unsere kleinen Fotoserien fragmentarisch bleiben. Ein umfassenderes Bild entsteht erst im Kontext von Posts über vorausgegangene Aufenthalte, die das Label 'Berlin Calling' als Themenfeld verbindet. (Posts über Kunstausstellungen in Berlin sind im Blog
'Uhlenbuesche' zu finden.)
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Motiv im Frühstückscafé |
Vor unserem Kulturbummel stärken wir uns erst einmal mit einem Frühstück im 'Scheunenviertel', ehe wir
Motive auf der Oranienburger Straße oder in deren Nähe in Berlin Mitte sowie im
'Deutschen Historischen Museum'
einsammeln. Die Museumsinsel ist selbstverständlich auch bei diesem
Aufenthalt eines unserer Ziele. Wir besuchen im 'Neuen Museum' die Austellung
'Im Licht von Armana', mit der Grabungen gewürdigt werden, in deren Rahmen vor 100 Jahren u.a. die Büste der Nofretete gefunden wurde.
Deutsches Historisches Museum
Das
'Deutsche Historische Museum' besuchen wir heute das erste Mal und
erleben ein Museum der eigenen Art in der Umgebung einer großartigen
Architektur. Die Ausstellungen sind nicht auf Exponate ausgerichtet,
sondern folgen kulturhistorischen Konzepten, die Lebenswelten in ihren
strukturellen Zusammenhängen und zeitlichen Entwicklungslinien
transparent machen möchten. Die inhaltliche Umsetzung kann in Anbetracht
der Komplexität und Vieldeutigkeit unserer Lebenswelten nur ein
Flickenteppich bleiben, der je nach Voraussetzung von Besuchern mehr
oder weniger interessant erscheint.
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Modell eines römsichen Kastells im Lippetal |
Kulturelle Frühphasen von Kelten über Germanen und
Römerzeit bis zum frühen Mittelalter finden lediglich mit wenigen
Objekten und Texten Erwähnung. Bei Betrachtung des Modells eines römischen Kastells, das im Lippetal
bei Haltern bestand (nicht weit vom Ort unserer Kindheit und Jugendzeit
entfernt), stellt sich ein Aha-Erlebnis ein. In dem Kastell war die 19. Legion stationiert, die 9 n. Chr.
in der Varusschlacht aufgerieben wurde. (Schau an, wieder etwas
gelernt!) Im Ergebnis gab das römische Imperium die
Unterwerfung rechtsrheinischer Gebiete als strategisches Ziel auf. Rechtsrheinische
Barbaren durften ihr germanisches Barbarentum vorerst behalten(*).
Webseite des Römermuseums Haltern Varusschlacht in Wikepedia
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'Schlüterhof' im Deutschen Historishen Museum |
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Übergang zum Anbau von I.M. Pei |
Dichter wird die Ausstellung erst mit dem
einsetzenden Preußentum, das die politischen Ursprünge des heutigen
Deutschands markiert. Für kundige Besucher bietet die
Standardausstellung des Museums jedoch wenig Überraschungen. Umso mehr
überrascht die Architektur der Anlage. Angesiedelt ist das 'Deutsche
Historische Museum' in zwei extrem unterschiedlichen Gebäuden. Kurfürst
Friedrich III. von Brandenburg beauftragte 1695 den Bau des Komplexes,
der ab 1731 in Nachbarschaft des ehemaligen Stadtschlosses als
Waffenarsenal diente und heute das älteste Gebäude 'Unter den Linden'
ist. Nach bewegter Geschichte wurde im Jahr 2003 ein Erweiterungsbau als
Ausstellungshalle eröffnet. Der Architekt Ieoh Ming Pei konzipierte auf
engem Raum ein faszinierend transparentes Gebäude mit unterirdischer
Anbindung an das Zeughaus, dessen barocken Innenhof ('Schlüterhof') I.
M. Pei überdachen ließ. Das Ergebnis überzeugt!
Diashow mit Motiven in Berlin Mitte Diashow mit Fotos unseres Besuchs im 'Deutschen Historischen Museum'
Webseite Deutsches Historisches Museum
Im 'Licht von Armana', Austellung im 'Neuen Museum' auf der Museumsinsel Berlin
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Büste der Nofretete |
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Tête à Tête, Jürgen Knubben, 2011 |
Ergänzt um Exponate aus dem Louvre, Paris, und aus dem Metropolitan Museum, New York, beleuchtet die Ausstellung
'Im Licht von Armana'
jene räselhafte Armana-Epoche, die 1397 v. Chr. mit Thutmosis IV.
einsetzte, von Amenophis III. fortgesetzt wurde und bereits mit dem Tod
von Amenophis IV. um 1334 v. Chr. wieder endete.
Während seiner
Regentschaft ab ca. 1354 v. Chr. setzte Amenophis IV. erstmals in der
uns bekannten Geschichte der Menschheit einen Monotheismis durch, der dem Sonnengott Aton galt und auf den Pharao
zugeschnitten war.
Amenophis IV. benannte sich in Echnaton um und ernannte sich und seine Frau Nofretete zum irdischen Repräsentanten und
ausschließlichem Sprachrohr dieses Gottes. Echnaton entmachtete die
mächtige Priesterschaft und ließ in kurzer Zeit die Stadt Achetaton als
neues kulturelles Zentrum errichten. Nach Echnatons Tod wurde diese
Entwicklung rückgängig gemacht und die Stadt Achetaton aufgegeben.
Hinweise lassen aber auch eine Deutung zu, gemäß der Nofretete nach
Echnatons Tod einige Zeit alleine weiterregiert hat. Spuren zu Nofretes
Ende verlieren sich jedoch im Dunkel der Geschichte. Unstrittig ist,
dass die alten Götter wieder eingesetzt und Echnaton zum Ketzer erklärt
wurde, dessen Name aus der Geschichte zu löschen war.
Erst
Grabungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts deckten bis dahin verborgene
Spuren dieser Geschichte auf. Im Rahmen dieser Grabungen wurde u. a. die
Büste der Nofretete gefunden, das rechtlich nicht völlig unumstrittene
Glanzstück der ägyptischen Sammlung in Berlin. Um diese
spannende Epoche ägyptischer Geschichte rankt sich die Ausstellung, die
noch bis zum 13. April 2013 läuft und in der Tat ein wenig Licht auf die
dunkle Armana-Epoche zu werfen vermag. Fotos dürfen allerdings nicht von den
Exponaten aufgenommen werden. Fotos ersetzen ohnehin nicht den Besuch
dieser sehenswerten Ausstellung, in der bedeutende historische Objekte
und einige sehr interessante Modelle erstmals und einmalig in diesem
Zusammenhang präsentiert und erläutert sind. Im Normalpreis von 8 €
ist ein Audio-Guide mit informativen Erläuterungen enthalten. Ein
umfangreicher, großformatiger Katalog mit zahreichen Farbabbildungen
wird zum PreIs von 29,95 € angeboten.
Eigene Fotos der
Nofretete-Büste sind im Museums-Shop aufgenommen, in dem exakte Repliken
des Originals zum stattlichen Preis von 2.900 € angeboten werden.
Weitere Fotos der eingebunden
Diashow 'Neues Museum' sind im 'griechischen Hof' des 'Neuen Museums' entstanden.
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(*) Der Begriff
'Germanen' ist eine Sammelbezeichnung von Stämmen in Mitteleuropa und
Südskandinavien.
'Barbar' war im antiken Griechenland eine Bezeichnung
für Menschen, die der griechischen Sprache nicht mächtig waren. Für
Römer waren 'Barbaren' Menschen ohne griechisch-römische Bildung. Erst
in jüngerer Zeit entwickelte sich die Idee eines kontinuierlich fortschreitenden menschlichen Zivilisationsprozesses. 'Barbarische'
Verhaltensstandards gelten nun als rückständig und werden als unzivilisiert, kulturlos, roh abgewertet, weil sie von dominierenden kulturellen Mustern abweichen.
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