Samstag, 23. Juli 2016

Weinfest auf Schloss Kastelbell im Vinschgau

Plakat des WeinfestesSchloss Kastelbell Zur Zeit der Habsburger war der Vinschgau 'Kornkammer' und zugleich 'Armenhaus' Tirols. Nach dem 1. Weltkrieg verdrängte Obstanbau den Getreideanbau und brachte Wohlstand in das Tal. In der Gegenwart wird auf ca. 5000 ha Obstlandwirtschaft betrieben. Sie dominiert im Vinschgau als Wirtschaftszweig, während 43-60 ha Anbaufläche des Weinbaus (je nach Quelle) nur einen kleinen Beitrag leisten. Die Bedeutung nimmt jedoch zu, weil die Cool-Climate-Region günstige Voraussetzungen für die Produktion exzellenter Weine bietet. Das Potenzial dürfte längst noch nicht ausgeschöpft sein.(1) Ansässige Winzer(2) nutzen die Chance und erzielen regelmäßig hohe Auszeichnungen mit ihren Produkten. Vielen Weinfreunden scheint die Entwicklung bisher entgangen zu sein, sodass Vinschger Qualitätsweine trotz arbeitsintensiver Steillagen und geringer Erträge vergleichsweise preisgünstig vermarktet werden. Nur ca. 25 % gehen in den Export. Mit 25,5 ha Anbaufläche ist das Weinbaugebiet Kastelbell-Tschars größte Weinbaugemeinde des Vinschgaus. Veranstaltungen des 'Kastelbeller Weinsommers' helfen, den Ruf Vinschger Qualitätsweine in den Markt zu tragen. Just während unseres Aufenthaltes auf dem Marinushof laden Winzer von Kastelbell-Tschars mit dem Tourismusverein zur Hauptveranstaltung des 8. Kastelbeller Weinsommer 2016 (PDF) ein, die am 23.07.2016 auf Schloss Kastelbell stattfindet. Die Veranstaltung lassen wir uns nicht entgehehen. - Fotoserie der Veranstaltung

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Teilnehmende Winzer der Veranstaltung sind Himmelreichhof, Köfelgut, Marinushof, Rebhof. Besucher können selbstverständlich die Weine der Betriebe verkosten und vergleichen. Für uns bietet sich die Gelegenheit, für diesen Anlass reservierte Restbestände ausverkaufter Weine des Marinushofs zu verkosten. Jetzt verstehen wir, warum der Riesling Marinushof 2015 ausverkauft ist: er begeistert! Das kürzlich neu eröffnete Restaurant Ferdy (Facebook) wirbt anlässlich der Veranstaltung mit kleinen Köstlichkeiten für seinen Betrieb. Das Rahmenprogramm gestalten ein engagierter Frauenchor aus Kaufbeuren auf bemerkenswert hohem Niveau sowie ein DJ mit dezent eingespielten poppigen Rhythmen.

Zur Eröffnung der Veranstaltung stellen sich Kastelbeller Winzer gegenseitig vor. Martin Pohl vom Köfelgut kommentiert das nicht einfache, aber im Ergebnis erfreulich ausgefallene Weinjahr 2015. Bürgermeister Gustav Erich Tappeiner hält seine Ansprache kurz und hebt anlassgerecht die Bedeutung des Weinbaus für Kastelbell-Tschars und den Vinschgau heraus. Das Thema des für 19:00 Uhr angekündigten Vortrags über „Weinanbau und Weinhöfe im Gericht Kastelbell-1343“ interessiert uns, aber nach einem langen Tag fällt es schwer, am Abend über einen Zeitraum von mehreren Stunden zu stehen. Sitzmöglichkeiten hätten uns am Ort gehalten.(3)

Irritiert haben uns unterschiedliche Zeitangaben zum Start der Veranstaltung auf öffentlichen Plakaten, auf denen 18:00 Uhr als Beginn genannt ist, sowie auf Online-/Offline-Flyern, die den Beginn der Veranstaltung mit 17:00 Uhr angeben. Wir waren kurz nach 17:00 Uhr vor Ort und fühlten uns im Zeitraum von 17:00 - 18:00 Uhr verfrüht. Die offizielle Eröffnung startete um 18:00 Uhr. Ab diesem Zeitpunkt setzte auch das Programm ein. Da die Veranstaltung öffentlich beworben wurde, waren auch externe Gäste angesprochen. Vermisst haben wir einen Service, der externen Gästen beim Eintreffen im unübersichtlichen Komplex einen Empfang mit Orientierungshilfen bietet.

Reklamierte organisatorische Schwächen empfinden wir als nur kleine Beeinträchtigungen des positiven Erlebnisses. Hervorzuheben sind über die hervorragenden Weine hinaus der stilvolle Rahmen im ehrwürdigen Schloss Kastelbell, die Programmgestaltung, das Catering, die lockere Atmosphäre und nicht zuletzt die für entspannte Gespäche aufgeschlossenen Winzer.

Anmerkungen
  1. Kennzahlen verdeutlichen Relationen und Einordnungen des Weinbaus im Vinschgau:
    • Der Weinbau in Italien bewirtschaftet eine Gesamtrebfläche von ca. 830.000 ha und liegt damit weltweit vor Frankreich und Spanien. Der Ertrag beträgt 54.618.077 hl. (Zahlen aus Wikipedia für das Jahr 2012)
    • Das Weinbaugebiet Südtirol bewirtschaftet ca. 5300 ha Anbaufläche mit 350.000 hl Ertrag und trägt damit weniger als 1 % zur Weinproduktion in Italien bei.
    • Das Weinbaugebiet Vinschgau hat mit 43 - 60 ha Anbaufläche (je nach Quelle) ca. 1 % Anteil am Weinbau in Südtirol. Ca. 1/3 der Weine sind DOC-zertifiziert.
  2. PDF-Seite Winzer in Kastelbell-Tschars
  3. Falls online verfügbare Informationen zum Vortrag zu finden sind, werden sie ergänzt. 

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