Dienstag, 29. September 2026

Herbstreise 25.09.-11.10.2026 an Natur- und Kulturschauplätzen - Teil 2: Mecklenburg-Vorpommern

Kraniche am Günzer See Karte der Umgebung von Klausdorf Dorfkirche Prohn, 13. Jh.
 
Unsere Herbstreise mit Exkursionen an Natur- und Kulturschauplätzen berichtet in drei Posts von drei Standorten:


Klausdorf und Umgebung 
 
Klausdorf - Fotoserien: Klausdorf, Barhöft und Zarrenzin
 
Nationalparktor in Barhöft Weg zur Aussichtsplattform Zarrenzin Sonnenuntergang am Bodden bei Zarrezin, MV Gartenpfad in Klausdorf Gutspark Klausdorf Gutspark Klausdorf Spalierobstgarten Klausdorf Spalierobstgarten Klausdorf Apfelquitten im Spalierobstgarten Klausdorf Weg zum Prohner Wieck am Kubitzer Bodden Naturstrand am Prohner Wieck bei Klausdorf Naturstrand Klausdorf an der Prohner Wieck bei Ebbe
 
Klausdorf ist die nördlichste Gemeinde auf dem Festland von Mecklenburg-Vorpommern und gehört zu den 64 staatlich anerkannten Erholungsorten in MV. Inklusive der Ortsteile Solkendorf, Barhöft und Zarrenzin hatte die Gemeinde 684 Einwohner im Jahr 2025 (Internetauftritt Gemeinde Klausdorf). Ein bei Klausdorf liegender Naturstrand gehört zum Kubitzer Bodden, dessen östliche Küste die Insel Rügen bildet. Der nördliche Teil der Gemeinde gehört zum Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft.  
 
Tafel im Spalierobstgarten KlausdorfObstsorten am Mauerbeet im Spalierobstgarten Klausdorf Bausubstanz in Klausdorf weist nur wenige historische Gebäude und Gebäude typischer DDR-Architektur auf und umfasst überwiegend erst nach der politischen Wende errichtete Gebäude. Erwähnt wurde Klausdorf erstmals 1280 als Gut Klausdorf in Adelsbesitz des Fürstentums Rügen, das im 13. Jahrhundert seine größte Ausdehnung hatte. Das historische Gutshaus wurde 1960 abgerissen und durch einen Plattenbau ersetzt. Erhalten sind noch Mauerreste sowie im ehemaligen Gutspark eine nach dem historischen Vorbild vorpommerscher Hausgärten von Gutshöfen rekonstruierte Spalierobstanlage mit alten Baum- und Strauchobstsorten in vier jeweils 70 m langen Beeten. Im Mauerbeet werden Wein und diverse Obstsorten angebaut. Reifes Obst des Spalierobstgartens dürfen Besucher naschen, ohne es zu ernten.
 
 
Ferienwohnung in Klausdorf 
 
Die gebuchte Ferienwohnung in Klausdorf liegt in einer attraktiven Gartenanlage und ist hochwertig eingerichtet. Eindrücke vermittelt das Portal Booking.com: Ferienwohnung „MeerTied". Im Portal ist die Wohnung mit 9,1/10 Punkten hoch positiv bewertet. Wir haben einiges auszusetzen. 
  • Für unseren Geschmack ist die Wohnung mit Dekomaterial und verschiedenen Gimmicks überladen, aber das ist eher eine Frage individueller Vorlieben und darum nur subjektiv zu kritisieren. 
  • Ähnlich verhält es sich mit dem Sachverhalt, dass der große offene Wohnraum nur mit einem Kaminofen und Holz zu beheizen ist. Diese Heizmethode lehnen wir ab und kommen dank warmer Kleidung und moderater Außentemperatur auch ohne Kaminofen klar. 
  • Ein Aufenthalt auf der Terrasse der Ferienwohnung ist wegen aggressiver Mücken nur eingeschränkt möglich. Vermutlich ist der Gartenteich für die Mückenplage mitverantwortlich. 
  • Kritisch werten wir, dass die Wohnung ziemlich feucht ist. Ein Hygrometer zeigt eine Luftfeuchtigkeit von 70 % bis 80 %. Besonders stark wirkt sich die Feuchtigkeit im eigentlich attraktiven Bad aus. Im Bad müffelt es trotz ständiger Lüftung unangenehm. Mit Nutzung des Kaminoffens könnten wir die Feuchtigkeit wahrscheinlich reduzieren, aber das ist für uns die schlechtere Alternative. 
  • Ärgerlich ist eine labile Internetverbindung. Unklar bleibt, ob das lokale oder das öffentliche Netz für Probleme verantwortlich ist. Wir behelfen uns mit der Hotspot-Funktion der Smartphones. Das Mobilfunknetz ist stabil, aber keine Rakete, sondern eine Schnecke. 
 
Prohn - Fotoserie
 
Dorfkirche Prohn, 13. Jh. Dorfkirche Prohn, 13. Jh. Dorfkirche Prohn, 13. Jh. Dorfkirche Prohn, 13. Jh.
 
4 km südlich von Klausdorf liegt in Richtung Stralsund die Gemeinde Prohn (Internetauftritt Gemeinde Prohn). Prohn ist größer als Klausdorf und hat inklusive drei Ortsteilen 2120 Einwohner im Jahr 2025 sowie einen Edeka-Markt, einen Metzger und eine Kneipe. Prohn ist ähnlich alt wie Klausdorf und wurde 1240 erstmals urkundlich als Sitz einer Vogtei des slawischen Fürsten von Rügen erwähnt.  
 
Sehenswert ist in Prohn die auf einem Hügel errichtete Dorfkirche in Backsteinarchitektur. Vor dem Kirchenbau befand sich auf dem Hügel das Schloss des slawischen Rügenfürsten Wizlaw I. Chor und Sakristei wurden im 13. Jahrhundert im frühgotischen Stil errichtet und im 14. Jahrhundert mit dem spätgotischen Kirchenschiff verbunden. Im 19. Jahrhundert wurden im neugotischen Stil seitliche offene Hallen angefügt und ein schlanker Turm auf den alten Turm gesetzt. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs war der Zugang zur Kirche wegen Dacharbeiten gesperrt. 
 
 
Groß Mohrdorf - Fotoserie
 
Backstein-Dorfkirche Groß Mohrdorf, 13. Jh. Backstein-Dorfkirche Groß Mohrdorf, 13. Jh. Westbau der Backstein-Dorfkirche Groß Mohrdorf, 13. Jh. Tafel an der Backstein-Dorfkirche Groß Mohrdorf, 13. Jh.
 
Groß Mohrdorf liegt ca. 3 km westlich von Klausdorf in Richtung Barth. Die Gemeinde besteht aus sieben Ortsteilen, hat aber nur 765 Einwohner im Jahr 2025. Das Dorf gehörte ebenfalls zum Fürstentum Rügen und ist ähnlich alt wie Klausdorf und Prohn. Kulturelle Sehenswürdigkeiten von Groß Mohrdorf sind die im 13. Jahrhundert in Backsteingotik errichtete Dorfkirche sowie das Schloss Hohendorf. Die Dorfkirche in Prohn sah vor den Anbauten des 19. Jahrhunderts ursprünglich wahrscheinlich ähnlich aus. Bemerkenswert ist an der Dorfkirche in Groß Mohrdorf der für Backsteingotik an der Ostsee typische wuchtige Westbau als Bollwerk gegen das Böse. 
 
Schloss Hohendorf in Groß Mohrdorf, MV Schloss Hohendorf ist ein im 19. Jahrhundert im neogotischen Stil am Ort des ehemaligen Guts Hohendorf errichtetes Herrenhaus. Das Gebäude hat der Architekt des preußischen Königs, Karl Friedrich Schinkel, im Auftrag des preußischen Junkers Malte Freiherr von Klot-Trautvetter-Hohendorf als Rittergut im Tudorstil entworfen. Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Schloss Hohendorf von Soldaten der Roten Armee geplündert und verwüstet. In der DDR wurde das Schloss als Altenheim und als Wohnhaus genutzt. Nach der politischen Wende wurde das Schloss umgestaltet und saniert. In der Gegenwart befindet sich das Schloss in Privatbesitz und wird als exklusives Domizil für gehobene Wohnansprüche sowie als Event-Location genutzt.
 
 
 
Kranichexkursionen in Mecklenburg-Vorpommern
 
Statische Fotos sind mit einem iPhone aufgenommen. Für Fotos fliegender Kraniche steht eine Vollformat-SLR Nikon D750 mit dem Telezoom Nikon AF-S 80-400 mm 4.5-5.6 G ED VR zur Verfügung. Obwohl das Objektiv relativ lichtschwach ist und bei großen Brennweiten ein deutlicher Randabfall besteht, zählt es zu den besten Produkten dieser Klasse. Aufgrund des Bildstabilisators verspricht Nikon bis zu vier Blendenstufen längere Belichtungszeiten ohne Verwackelungen. Für Nachbearbeitungen von Fotos wird Adobe Lightroom genutzt. 
 
 
NABU-Kranichzentrum und Kranorama bei Günz am Günzer See
 
Ca. 4 km südwestlich von Groß Mohrdorf liegen zwischen dem Dorf Günz, einem Ortsteil von Altenpleen, und dem Günzer See das 2025 eröffnete NABU-Erlebniszentrum Kranichwelten sowie die ebenfalls von dem NABU betriebene Kranich-Beobachtungsstation Kranorama. Der Besuch der Einrichtungen erfordert ein Kombiticket zum Preis von 8 €.
 
 
NABU-Erlebniszentrum Kranichwelten - Fotoserie
 
NABU-Erlebniszentrum Kranichwelten bei Günz Ausstellung im Kranichzentrum Günz Außengelände Kranichzentrum Günz Ranger mit Kranichen im Außengelände Kranichzentrum Günz Insektenwelt im Außengelände Kranichzentrum Günz Insektenwelt im Außengelände Kranichzentrum Günz
 
Das Erlebniszentrum Kranichwelten ist die größte Einrichtung dieser Art in Europa. Der Innenbereich des Erlebniszentrums bietet auf 500 m² eine Ausstellung zur Kranichwelt, sowie einen Filmraum, einen Shop, ein Bistro und nicht zuletzt saubere Toiletten. Der 20.000 m² große Außenbereich gliedert sich in mehrere Biotope, die Lebensräume von Kranichen anschaulich machen. Geschützt von Rangern spazieren zwei zahme Kraniche ohne Scheu vor Besuchern durch den Außenbereich. Das Bistro setzt sich mit einer Terrasse im Außenbereich fort, der darüber hinaus Picknickplätze anbietet und mit zahlreichen Stühlen zum Verweilen einlädt.
 
 
Kranich-Beobachtungsstation Kranorama - Fotoserie
 
Kranichbeobachtungsstation Kranorama am Günzer See Kraniche am Günzer See Kraniche am Günzer See Kraniche und Gänse am Günzer See Kraniche am Günzer See Kraniche am Günzer See
 
Mit bloßem Auge sind vom Kranorama bis zum verschilften Moorgelände am Günzer See keine Details zu erkennen. Smartphones sind bei diesen Beobachtungsbedingungen vollkommen ungeeignet. Aufgrund der Fluchtdistanz von Kranichen liegt die Beobachtungsdistanz bei ca. 500 m. Birdwatcher können ihr eigenes Equipment oder bereitstehende Spektive nutzen und Ferngläser ausleihen. Wir nutzen unser eigenes Equipment, eine Vollformat-Spiegelreflexkamera Nikon D750 mit bis zu 400 mm Telezoom und ein Nikon-Fernglas. Beobachtungen lohnen sich am Kranorama immer, weil Kraniche angefüttert werden. Im Gelände halten sich außer Kranichen, Gänse, Enten, Brachvögel und andere Wasservögel auf.
 
 
Beobachtung des Aufbruchs der Kraniche am Morgen bei Bisdorf - Fotoserie
 
Ranger und Beobachter um 5:45 Uhr im Kranichzentrum bei Günz Kranichbeobachtungshütte Bisdorf Beobachter in der Aussichtshütte Bisdorf
 
Die Aussichtshütte Bisdorf kennen wir aufgrund einer Exkursion im September 2023 (Post 09/2023). Daher wissen wir, dass es sich für dieses Erlebnis lohnt, unseren Schlaf um 4:00 Uhr abzubrechen. Im Unterschied zu 2023 haben wir in diesem Jahr nur eine kurze Anreise zum Treffpunkt der Exkursion am NABU-Erlebniszentrum Kranichwelten bei Günz. Nach Voranmeldung vor einigen Tagen treffen wir gegen 5:30 Uhr zusammen mit einer jungen Rangerin am vereinbarten Ort ein und entrichten die Teilnahmegebühr von 10 € p. P. Bis zum Start um 6:00 Uhr treffen zwei weitere Teilnehmer der Exkursion und der leitende Ranger ein. Für den Transport zur Aussichtshütte Bisdorf können wir in den NABU-Kleinbus zusteigen.
 
Bisdorf ist ein aus nur wenigen Häusern bestehender Ortsteil von Groß Mohrdorf. Der letzte Kilometer zur Aussichtshütte muss zu Fuß durch dunklen Wald zurückgelegt werden. Wir haben vorsorglich eine Taschenlampe und eine Stirnlampe eingepackt, die sich jetzt bewähren. Gegen 6:20 Uhr treffen 4 Teilnehmer der Exkursion mit zwei Rangern an der Aussichtshütte Bisdorf ein. Kranichbeobachter blicken von der Hütte über den Gellenstrom in Richtung der Kranich-Schlafplätze in den Sundischen Wiesen auf der Halbinsel Zingst sowie auf den Werder-Inseln und der Insel Bock. Ranger führen neben Ferngläsern ein Spektiv mit, das die Teilnehmer abwechselnd nutzen können. In der Zeit bis zum Aufbruch der Kraniche teilen die Ranger ihr Wissen über die Region.
 
Aufbruch Kraniche von den Werderinseln Aufbruch Kraniche von den Werderinseln Aufbruch Kraniche von den Werderinseln Aufbruch Kraniche von den Werderinseln Aufbruch Kraniche von den Werderinseln Aufbruch Kraniche von den Werderinseln
 
Der Aufbruch der Kraniche zu Futterplätzen beginnt jenseits des Gellenstroms gegen 6:50 Uhr. Über fast eine Stunde beobachten wir zahlreiche Formationen unterschiedlicher Größe, jedoch überwiegend in ca. 1 km Entfernung. Mit ausreichender Brennweite ist diese Distanz kein generelles Problem (das eigene Teleobjektiv reicht bis 400 mm), aber bei diesen Lichtverhältnissen muss die Blende relativ weit geöffnet werden und die Belichtungszeit darf nicht so kurz sein, wie es eigentlich sinnvoll wäre. Aufnahmen aus der Hand tragen zusätzlich zu unvermeidbaren Unschärfen bei. Immerhin können Aufnahmen mithilfe von Software in der Nachbearbeitung entrauscht und nachgeschärft werden. Beim Anflug erster Kraniche zückt eine Teilnehmerin ihr Smartphone für Fotos und muss sogleich die Sinnlosigkeit ihrer Absicht einsehen. 
 
Laut letzter Zählung rasten aktuell ca. 6.000 Kraniche in der Region. Im Oktober werden 10.000 Kraniche erwartet. Der Strom aufbrechender Kraniche endet gegen 7:40 Uhr. Mit mehr als 100 Aufnahmen kehren wir von der Exkursion zurück. Die Nachbearbeitung der Aufnahmen dauert erheblich länger als der Abflug und zieht sich bis zum nächsten Tag hin.
 
Seeadler mit Fisch Seeadler auf der Jagd Drei Seeadler auf der Jagd
 
Bereits vor dem Aufbruch der Kraniche und während ihres Abflugs beobachten wir über dem  Gellenstrom mehrere jagende Seeadler. Da die Adler schnell und tief fliegen, sind sie vor dem dunklen Hintergrund der Bewaldung kaum auszumachen. Aufnahmen kommen zufällig zustande und werden erst bei der Nachbearbeitung der Fotos jeweils am unteren Bildrand entdeckt. 
 
Entdeckungen der Seeadler erinnern an das vielschichtige Filmkunstwerk „Blow Up“ des Regisseurs Michelangelo Antonioni aus dem Jahr 1966. Der in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnete Film gilt als Antonionis Meisterwerk. Filmmusik hat Herbie Hancock beigetragen. In dem Film macht der junge Fotograf Thomas (David Hemmings) zunächst unbeobachtet Aufnahmen eines sich küssenden Liebespaars in einem Park. Die undurchsichtige Frau des Paares mit Namen Jane spielt Vanessa Redgrave. Bei der Entwicklung seiner Fotos entdeckt Thomas den scheinbar ermordeten männlichen Partner in einem zufällig aufgenommenen Gebüsch. Der Film dreht sich um undurchsichtige Verwicklungen und erfolglose Recherchen eines vermeintlichen Mordes im von Drogen vernebelten Swinging London der 1960er Jahre. 
 
Antonioni ging es im Film um die Botschaft, dass Realität nicht aus Oberflächen besteht, sondern aus vielschichtigen und intransparenten Konstrukten, deren Bedeutungen rätselhaft oder missverständlich sind. Spannender als philosophische Weltverständnisse war für mich damals eine Sequenz mit einem Club-Auftritt der von mir geschätzten Avantgarde-Rockgruppe The Yardbirds mit Keith Relf als Sänger sowie Jimmy Page und Jeff Beck als Gitarristen. (Aus den Yardbirds ging 1968 die weniger geschätzte Hard-Rock-Band Led Zeppelin hervor.) Für diese Sequenz wollte Antonioni ursprünglich The Who engagieren, Vorläufer des Punk-Rock, in deren Konzerten Pete Townshend regelmäßig die Verstärkeranlage und seine Gitarre zertrümmerte. Da The Who nicht zur Verfügung standen, ersetzten sie The Yardbirds. Die Band spielt das Stück Stroll On. Gitarrist Jeff Beck hat Probleme mit der Verstärkeranlage. Als Reminiszenz an The Who zertrümmert er seine Gitarre und wirft die Trümmer ins Publikum. Thomas rangelt im Club um die Trümmer. Den eroberten Gitarrenhals wirft er nach Verlassen des Clubs wie Müll fort. Antonionis Botschaft habe ich damals nicht erkannt. Inzwischen unterschreibe ich sie.
 
 
Kranichfahrt am Abend auf dem Barther Bodden - Fotoserien: Hafen Barth und MS Stadt Barth, Kraniche über dem Barther Bodden
 
(Fotos folgen) 
 
Im September 2023 haben wir vom Standort Born am Darß eine Kranichexkursion per Schiff  auf dem Bodstedter Bodden unternommen und haben die Exkursion in bester Erinnerung (Post der Exkursion 09/2023). Unsere Motivation zu Kranichbeobachtungen resultiert aus diesem intensiven Erlebnis. Im Rahmen des aktuellen Aufenthalts möchten wir das Erlebnis auffrischen und haben eine Abend-Kranichfahrt mit einem Fahrgastschiff der Reederei Posckke ab dem Hafen Barth gebucht (32 € p.P.).
 
Zum Zeitpunkt der Buchung waren für den heutigen Tag 11 Stunden Sonne und 21 Grad Tagestemperatur vorhergesagt. Bereits gestern hat sich das Einknicken des Wetters abgezeichnet. Heute regnet es über den Vormittag ergiebig. Laut Wetterportal lässt der Regen über Mittag nach und wird zur Startzeit 17:00 Uhr abgezogen sein. Wir haben die Exkursion bereits bezahlt und lassen uns nicht abschrecken, sondern überraschen. Am Ende des Tages wissen wir mehr. 
 
Auf der Fahrt nach Barth ist nicht nur die Regenfront abgezogen, sondern die Wolkendecke beginnt aufzureißen. Ab dem Nachmittag zeigt sich das Wetter wie ausgewechselt und sehr viel besser, als das Wetterportal vorhersagt. Während der vierstündigen Kranichfahrt mit der „MS Stadt Barth" auf dem Barther Bodden und der östlich anschließenden Grabow genießen wir Top-Bedingungen. Das moderne Fahrgastschiff ist für max. 250 Personen ausgelegt. Wir schätzen ca. 100 Teilnehmer der Kranichfahrt. Ab 17:40 Uhr sichten wir die ersten Kraniche im Anflug zu ihren Schlafplätzen in den Sundischen Wiesen auf der Halbinsel Zingst sowie auf den Werder-Inseln und der Insel Bock. Über mehr als eine Stunde beobachten wir den Flug der trompetenden Kraniche in V‑förmigen Formationen langer Ketten. Die Anzahl gesichteter Kraniche dürfte Tausende zählen. Die Kranichfahrt werten wir als Höhepunkt der Klausdorf-Woche. Mit 300 Aufnahmen kehren wir in die Ferienwohnung zurück. Die Bearbeitung der Fotoausbeute kostet erhebliche Zeit bis zur Veröffentlichung einer Auswahl der Fotos.
 
60 Fotos werden bei Bearbeitung gelöscht. Die erste Veröffentlichung umfasst 175 Fotos. Das sind selbstverständlich zu viele Fotos. Die Serie muss schlanker werden, aber aufgrund welcher Kriterien? Jetzt muss die Frau bei Entscheidungen helfen.
 
 
Stimmungsbericht aus der Region – Hier spricht der Soziologe
 
In dieser Enklave im äußersten Nordosten des Festlands von Mecklenburg-Vorpommern drängen sich teilnehmenden Beobachtern soziale Studien der Stimmungslage auf. Klausdorf gehört bei Landtagswahlen zum Wahlkreis Vorpommern-Rügen III. Bei der Landtagswahl 2026 erreichte die AfD landesweit 38,2 %. Im Wahlkreis Vorpommern-Rügen III steigert die AfD ihr Ergebnis bei den Zweitstimmen um 22,7 % und erzielte mit 43,4 % einen Vorsprung von 10 % gegenüber der SPD.
 
Unser Standort Klausdorf liegt im nordöstlichsten Festlandzipfel von Mecklenburg-Vorpommern. Tourismus ist hier noch nicht angekommen. Das finden wir gut. Die nächste Einkaufsquelle befindet sich in 4 km Entfernung im Nachbardorf Prohn. Damit können wir uns arrangieren. Eine Gaststätte gibt es in 1,5 km Entfernung im Ortsteil Solkendorf. Die Gaststätte Zur Linde haben wir am Ankunftstag besucht (Fotoserie). Der Besuch fiel wie erwartet aus. Wir waren weder enttäuscht noch begeistert und lassen es bei einem Besuch bewenden. 
 
In der eher einsamen Landschaft mit weiten Feldern, Alleen und Straßen mit Kopfsteinpflaster fühlen wir uns im Unterschied zum Großstadtleben wohltuend entschleunigt. Neben modernisierten älteren Häusern mit inzwischen hübschen Vorgärten treffen wir auf zahlreiche neue Wohnhäuser, die offensichtlich mit erheblichen finanziellen Mitteln errichtet wurden und deutlich machen, dass hier Geld wohnt. Überwiegend stehen kleine oder größere SUVs vor Häusern. Geld und materielle Lebensqualität scheinen kein Problem zu sein. In Vergrößerungen ändert sich das Bild.
 
Landschaftlich, architektonisch und atmosphärisch bricht in dieser nordöstlichen Enklave mitunter der spezielle Charme der DDR durch. Auffällig sind verbreiteter Unmut, Misstrauen und Übellaunigkeit unter den überwiegend älteren hier lebenden Menschen. Schlampige Figuren sowie nachlässige Kleidung und Frisuren scheinen nicht zu stören. Möglicherweise symbolisieren sie bewusst einen speziellen Lebensstil. Nirgendwo wird das so deutlich wie im Edeka Prohn. Grundbedarf an frischen Küchenartikeln haben wir für die Aufenthaltswoche in Supermärkten des Einkaufscenters Strelapark in Stralsund gedeckt. Die Auswahl an qualitativ hochwertigen Produkten ist tadellos. Für Tagesbedarf bildet Edeka Prohn die einzige Versorgungsquelle in der näheren Umgebung. Meistens ist nur eine von zwei Kassen geöffnet. Die Reihe wartender Kunden und Wartezeiten verschaffen kein Vergnügen. Kunden bilden an der Kasse keine geordnete Reihe und meckern über die Abfertigung. Die unschuldige Kassiererin versucht nicht zu deeskalieren, sondern schimpft zurück. Kunden werden eher wie störende Bittsteller behandelt, was die Aggressivität der Stimmung weiter anheizt. Haltungen und Stimmungen kennen wir aus den 1980er Jahren von Tagesbesuchen in Ostberlin. Inzwischen sind mehr als 40 Jahre vergangen, aber zumindest in ländlichen Regionen scheint zahlreichen Menschen Anpassungen an Veränderungen nicht zu gelingen. Solche Stimmungen sind Humus für den Erfolg der AfD.
 
In der nicht preiswerten Landmetzgerei Prohn werden wir Zeugen eines Gesprächs gut gekleideter Kunden über Benzinpreise. Eskalierende Preise sind für alle schmerzhaft. Hier werden sie jedoch zu vermeintlichen Beweisen für eine scheinbar berechtigte Grundstimmung des Missmuts. Dieser verschafft sich Luft mit Kommentaren darüber, wie Menschen abgezockt, belogen und betrogen werden. Wer gemeint ist, bleibt offen. Wahrscheinlich ist das ohnehin klar und bezieht sich vermutlich auf westliche Politik und Wirtschaft. Andererseits lassen die verärgerten Kunden nicht unerwähnt, dass sie gleich in einem Restaurant essen werden. Vor der Tür wartet auf sie kein Pferdefuhrwerk oder Trabi, sondern ein größerer Mazda-SUV. Das Problem ist nicht Geld, sondern liegt tiefer in der individuellen Wahrnehmung. Offensichtlich haben abgezockte, belogene und betrogene Kunden nicht verstanden, wie das kapitalistische Wirtschaftssystem funktioniert. Der Genuss von Sahne ist für die Majorität der Menschen ohne zu schluckende Kröten nicht erreichbar. Die beschriebene Stimmung beschränkt sich nicht auf Einkäufe in Dorfläden. Auf Spaziergängen in Klausdorf und Dörfern der Umgebung vermissen wir typisches dörfliches Grußverhalten mit freundlicher Zuwendung. Einheimische grüßen wir auf Spaziergängen offensiv und betont freundlich. Echos kommen sparsam und mürrisch zurück.
 
 
Fortsetzung in Niedersachsen
 
Am 4.10.2026 reisen wir nach Hüde am Dümmer See in Niedersachsen zu Exkursionen der Kranichrast in der Diepholzer Moorniederung des Dümmer Weserlands fort. Über unsere Erlebnisse berichtet Teil 2 des Reiseposts. (Coming soon) 

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