Dienstag, 14. Juli 2026

Reisetagebuch Sommerreise Teil 2, 15.07.-02.08.2026

Reiseroute2
Die Route unserer Sommerreise 2026 führt im Zeitraum 02.07.-02.08.2026 über 5 Stationen mit ca. 2.000 km Distanz. Unser Programm mischt moderate Wanderungen mit sehenswürdiger Natur und Kultur. Um Reiseerlebnisse vor Vergessen zu bewahren, schreiben wir auf Reisen fortlaufend Online-Reisetagebücher chronologisch absteigend. Die aktuelle Reise umfasst 2 Posts. Dieser Teil 2 beschreibt die Stationen 3 bis 5. Teil 1 beschreibt die Stationen 1 und 2. Autoren möchten über oberflächlich Sichtbares hinaus Kontexte verstehen und beschreiben.
 
                 02.07. Abreise von Köln     
1   02.07.-10.07. Weingut am KlotzIsteinEfringen-KirchenMarkgräflerland         480 km
2   10.07.-15.07. Gasthaus zum Kreuz, bei St. Märgen, Schwarzwald                       83 km
3   15.07.-17.07. Gasthof Lamm, Laatsch, Vinschgau, Südtirol (via Schweiz)          326 km
4   17.07.-31.07. Aschnerhof, Lengmoos, Ritten, Südtirol                                         108 km
5   31.07.-02.08. Schwingshackl, Naturhotel Rebling, Bernried, Niederbayern         384 km
                02.08. Ankunft in Köln                                                                                585 km 
 
 
5. Naturhotel Rebling bei Bernried im Bayerischen Wald  
 
02.08.2026: Abreise, Rückreise nach Hause und Vorschau
 
Um 7:00 Uhr sind wir beim Frühstück die ersten Gäste und überraschen die Inhaber bei ihrem eigenen Frühstück im Restaurant. Während die Chefin eher zurückhaltend kommuniziert, ist der Chef gesprächig und gibt sich gut gelaunt. Bei der Erwähnung unserer jüngsten Südtirolreise wird der in einer Region des Südtiroler Pustertals aufgewachsene Chef munter. 
 
Nicht unerwähnt bleibt, dass wir 2022 im Bad Tölzer Restaurant Altes Fährhaus am Isarufer in der Heimatküche gegessen haben. Das Restaurant betrieben zu dieser Zeit die Schwingshackls. Zum Besuch hat uns damals der Gastronomiejournalist Jürgen Dollase mit seiner Kolumne Hier spricht der Gast in der FAZ motiviert (FAZ, 20.05.2022: Traditionelle Spitze). Vor einigen Monaten war Jürgen Dollase wieder vor Ort und hat die Küche erneut scharf gelobt (FAZ, 25.10.2025: Zwei starke Küchen unter einem Dach). Als Gastronomiejournalist und Kritiker von Restaurantführern vertritt Jürgen Dollase Vorstellungen von Gastronomiekultur, die er ohne verbale Schlacke analysiert und in präzisen Begriffen empirisch nachvollziehbar beschreibt. Mit einer um Präzision bemühten Sprache beschreibt Dollase Kompositionen, Geschmacksbilder, Aromen, Texturen, Tellerbilder sowie seine eigene Meinung zu guter Küche und scheut sich nicht vor Kritik, wenn Kriterien guter Küche verfehlt sind. Mit seinem Meinungsprofil polarisiert Dollase natürlich, was anders kaum sein kann. Wir schätzen Dollases Haltung, seine Bemühungen um objektive Beschreibungen differenzierter Küchenleistungen und seine Auffassung von guter Küche. Die Gastgeber scheinen das ähnlich zu sehen. Unsere Anmerkung zum Lob von Jürgen Dollase lässt ihre Gesichter strahlen.
 
Um kurz vor 8:00 Uhr starten wir am Naturhotel Rebling und treffen nach fast 600 km Reise gegen 15:00 Uhr zu Hause ein. Verkehrsprobleme treten erst auf den letzten 100 km auf und kosten uns ca. eine Stunde. Kurz vor der Ankunft führt ein Schlenker zu Freunden. Supermärkte sind sonntags geschlossen. Verhungern müssen wir nicht, weil Claudia ein Starterkit besorgt hat. Danke, Claudia!
 
Mit der hier beschriebenen Sommereise ist unser Sommer-Reiseprogramm noch nicht abgefeiert. Über zwei weitere Reisen werden wir demnächst per Online-Reisetagebuch berichten.
  • Am 6. August reisen wir mit drei Übernachtungen zu einer Kultur-Städtereise nach Bremen. Das Reisepogramm dreht sich vor allem um die Malerin Paula Modersohn-Becker, die in diesem Jahr 150 Jahre alt geworden wäre. Ähnlich wie im Fall Gabriele Münters wurde die kunsthistorische Bedeutung von Paula Modersohn-Becker lange nicht angemessen wahrgenommen. Wichtig waren nur männliche Maler. Das hat sich glücklicherweise geändert.
  • Eigene Individualreisen an die französische Atlantikküste liegen bereits mehrere Jahre zurück. Am 31. August starten wir zu einer achttägigen Gruppen-Busreise in die Normandie und die Bretagne. Auf diese Reise sind wir besonders gespannt.

01.08.2026: Dinner im Hotel und Wanderung im Nationalpark Bayerischer Wald
 
Dinner im Restaurant Schwingshackl Esskultur - Fotoserie
 
Restaurant Schwingshackl Esskultur Menü im Restaurant Schwingshackl Esskultur Brot mit viererlei Butter Gruß aus der Küche, geeiste Tomatensuppe Label Rouge Lachs & Meerwassergarnele, Avocado, Radieschen, asiatische Akzente Bretonischer Seeteufel, Tomate, Basilikum Kleines Intermezzo: Rhabarber, Joghurt Heimisches Rinderfilet & Gänseleber, Selleriecreme, Sommergemüse Alpenmilchmousse, Kiwi, Himbeere, Zitronenluft Espresso und Petit Fours
 
Service und Küche des Restaurants Schwingshackl Esskultur beginnen offiziell um 19:00 Uhr. Auf Nachfrage sind wir bereits um 18:00 Uhr willkommen und dürfen uns einen Tisch aussuchen. Als Auftakt werden vier unterschiedliche kleine Brötchen mit vier Arten Butter (ungewürzt, mit Saft Roter Bete, gesalzen, Basilikumbutter) sowie als Gruß aus der Küche ein Glas geeister Tomatensaft serviert.
 
In der Karte ist der Preis für das Fünf-Gänge-Menü mit äußerst fairen 129 € angegeben. Jedes der servierten Gerichte fällt beeindruckend stimmig aus, weshalb wir einzelne Gerichte nicht hervorheben möchten. (Bezeichnungen der Gerichte werden eingeblendet, wenn der Cursor auf ein Foto zeigt.) Trotz des herausragenden Gesamteindrucks gestatten wir uns Anmerkungen, die sicher auch von eigenen Vorlieben und Gewohnheiten geprägt sind:
  • Beim ersten Gang, "Label Rouge Lachs & Meerwassergarnele", spendiert Sojasoße „asiatische Akzente“ in Richtung Umami. Den Geschmack von Sojasoße empfinden wir als zu intensiv, genauer gesagt als harmonisch störend.  
  • Die Basilikumsauce zum bretonischen Seeteufel ist für unsere Wahrnehmung zu salzig abgeschmeckt. 
  • Seeteufel wird von der Servicemitarbeiterin als Seezunge angesagt. Tatsächlich wird das Gericht häufig mit Seezunge serviert, aber bereits optisch sind die beiden Fischarten kaum zu verwechseln.
Über den Abend nehmen wir drei strukturelle Prinzipien wahr: 
  • Gerichte des Menüs wollen nicht mit Komplexität beeindrucken, sondern setzen sich aus identifizierbaren vier bis fünf Komponenten zusammen. Das Zusammenspiel von Komponenten harmoniert als Komposition und erzeugt aromatische Akkorde. Dieser Eindruck gilt auch zu Beginn für die in vier Varianten servierte Butter zum Brot sowie für die als Abschluss gereichten Petit Fours.
  • Alle servierten Gerichte und selbst die Butter zum Brot sowie die Petit Fours und der Gruß aus der Küche präsentieren die Farben Grün, Weiß, Rot, Farben der italienischen Trikolore. Farben eines Gerichts sind keine Geschmacksträger, aber sie triggern aromatische Erwartungen und verschmelzen mit aromatischen Wahrnehmungen. Gleichzeitig verweisen verwendete Farben auf die italienische Küche als Mutter europäischer Küchenkultur sowie auf italienischen Lebensstil. Bewusst oder unbewusst sind verwendete Farben vermutlich als Spiel zu verstehen, das Symbole, Anmutungen und Erwartungen verknüpft und zur Nachhaltigkeit von Esserlebnissen beiträgt.
  • Der Service und vermutlich auch die Küche sind personell unterbesetzt. Mit dem Eintreffen weiterer Gäste verlängern sich Wartezeiten zwischen Gangfolgen. Offenbar ist der gesamte Betrieb personell schmal aufgestellt. Den Service in beiden Restaurants stemmt überwiegend Frau Schwingshackl. Für in gehobenen Restaurants übliche Smalltalks hat sie kaum Zeit. Gelegenheit zum Plaudern ergibt sich erst am nächsten Morgen, da wir um 7:00 Uhr die ersten Frühstücksgäste sind. 
 
Wanderung im Hochmoor Klosterfilz - Fotoserie 
 
Kreuzotterweg zum Klosterfilz Bohlenweg durch das Hochmoor KLosterfilz Rekonstruktion eines historischen Goldwaschplatzes
 
Das Frühstück ist im Hotel eher übersichtlich, aber für unseren Bedarf ausreichend. Es bestätigt den Verdacht, der sich bereits gestern eingestellt hat. Die Inhaber üben eine straffe Kostenkontrolle aus. Sie sparen am Frühstücksbuffet und vermeiden möglichst Personalkosten, indem sie persönlich Restaurant- und Frühstücksservice organisieren und beim Frühstück auf Tischservice verzichten. Bei genauerer Betrachtung ist außerdem ein Investitionsstau am Gebäude und bei der Zimmerausstattung zu erkennen. Wir haben dafür Verständnis. In der Randlage sowie ohne größere Städte im Umfeld ist trotz der hoch bewerteten Küche eine wirtschaftlich auskömmliche Auslastung wahrscheinlich schwierig zu erreichen. Vermutlich deswegen werden Preishürden niedrig gehalten, was aber an anderen Stellen Zugeständnisse erfordert.
 
Trotz unsicherer Wetterlage starten wir zu einer Wanderung im Naturschutzgebiet Großer Filz und Klosterfilz, ein Hochmoor im Nationalpark Bayerischer Wald in der Nähe von Spiegelau. Den mit einer Kreuzotter markierten kompletten Rundweg sind wir vor sechs Jahren gegangen (Post August 2020). Heute gehen wir nur ab dem Weiler Siebenellen bei der Gemeinde St. Oswald-Riedlhütte einen Abschnitt bis zu einem rekonstruierten historischen Goldwaschplatz und kehren nach einem Picknick von dort um. Highlights unserer Route sind ein längerer Bohlenweg durch das Hochmoor im Kerngebiet des Nationalparks und die Rekonstruktion eines historischen Goldwaschplatzes. Während der gesamten Wanderung begleitet uns leichter Regen. Wir sind uns einig, dass sich dieser als Lehrpfad angelegte Weg auch bei Regen lohnt. Auf dem Rückweg zum Hotel stoppen wir in Spiegelau und lassen uns nicht zu Einkäufen beim Werksverkauf Spiegelau & Nachtmann (Riedelgläser werden auch angeboten) verführen.
 
 
31.07.2026: Reise zum Naturhotel Rebling in Bernried, Niederbayern, am Rand des Bayerischen Walds Fotoserie 
 
Auf unserer Sommerrundreise sammeln wir zahlreiche Highlights und lassen die Rundreise mit Highlights ausklingen. Zwischen Highlights liegen unvermeidbare Transits, die nicht immer pures Vergnügen sind.
 
Um 7:00 Uhr brechen wir am Aschnerhof auf. Die Fahrt über den Brenner und auf österreichischen Mautstrecken verläuft problemlos. Wir vermeiden die Route über München und fahren stattdessen eine kürzere Route entlang des Inn überwiegend auf Bundesstraßen. Ca. 2 Stunden vor dem Ziel bietet sich Wasserburg am Inn für eine Pause an. Am Rand der sehenswerten historischen Altstadt finden wir ein Parkhaus, in dem Parken bis zu 4 Stunden kostenlos ist und sogar eine kostenlose öffentliche Toilette vorhanden ist. Am Ausgang macht ein Aushang darauf aufmerksam, dass ein Parkschein erforderlich ist, um nachzuweisen, dass 4 Stunden nicht überschritten werden. Den Parkschein beschaffen wir an einem Automaten und verlassen das Parkhaus in Richtung Altstadt. Die Temperatur steigt inzwischen über 30 Grad.
 
Frauenkirche und Rathaus am Marienplatz in Wasserburg am Inn Marienplatz, Wasserburg am Inn Patrizierhaus mit spätmittelalterlichen Lauben im Erdgeschoss und Rokokofassade von Johann Baptist Zimmermann aus den Jahren 1738–1740 am Marienplatz
 
Den Rundgang schließen wir mit einem Imbiss bei einer Bäckerei ab und sind mit Wasserburg als Pausenidee glücklich. Im Parkhaus wendet sich unsere Stimmung. Unter dem Wischer des Autos finden wir einen Zettel mit einer Verwarnung über 20 €, weil wir uns nicht regelkonform verhalten haben. Wir haben angenommen, dass der Parkschein bei der Ausfahrt kontrolliert wird. Stattdessen hätten wir den Parkschein im Auto sichtbar platzieren müssen. Dumm gelaufen. Der Kontrolleur ist noch im Parkhaus unterwegs. Die Frau spricht ihn an, um unseren Fehler als Unwissen zu erklären und das Verwarnungsgeld abzuwenden. Der Kontrolleur bleibt hartleibig und weist auf eine E-Mail-Adresse hin, an die wir uns wenden können. Das tun wir noch am selben Abend, erwarten aber keine Gnade. Auf der Weiterfahrt steigt die Temperatur auf 35 Grad. Uns tröstet die Vorstellung, dass es am Hotel auf 600 m Höhe kühler ist. Nach mehreren E-Mails hin und her ist inzwischen geklärt, dass die Stadt Wasserburg zwar auf einer Verwarnung besteht, aber auf ein Verwarnungsgeld verzichtet: 
"Die vorgebrachten Gründe entlasten Sie teilweise. Wegen der besonderen Umstände müssen Sie das Verwarnungsgeld nicht bezahlen. [...] Bitte beachten Sie jedoch, dass das Verfahren nicht eingestellt wurde. Die Verwarnung gegen Sie bleibt bestehen. Im Wiederholungsfall müssen Sie mit einem Verwarnungsgeld rechnen."
Der Erfolg unserer Bemühungen freut uns natürlich, einerseits. Andererseits könnten solche Schriftstücke auch freundlicher bzw. bürgernäher und weniger amtlich bzw. obrigkeitsstaatlich formuliert werden. Wasserburg und einen Wiederholungsfall werden wir zukünftig eher vermeiden.
 
 
Naturhotel Rebling - Fotoserie
 
Naturhotel Rebling Zimmer im Naturhotel Rebling Zimmerbalkon im Naturhotel Rebling
 
Beim Eintreffen am Naturhotel Rebling um 14:30 Uhr ist es tatsächlich kühler, aber nur 2 Grad. Das Hotel liegt außerhalb von Ortschaften inmitten der Landschaft. Der Komplex besteht aus mehreren unterschiedlich alten Gebäuden. Dementsprechend gibt es  Zimmer mit moderner und mit älterer Einrichtung, aber keines der Zimmer und auch das Restaurant sind klimatisiert. In solchen Situationen bewährt sich im Zimmer unser Tischventilator, den wir auf Sommerreisen mitnehmen. Wir beziehen eines der älteren Zimmer im Hauptgebäude. Das war in Anbetracht des moderaten Angebots für das Arrangement zu erwarten. Die Einrichtung ist schon etwas in die Jahre gekommen, aber nicht abgewohnt. Installationen im Bad sind neu, ebenso Details der Zimmereinrichtung und des großzügigen Balkons.  
 
Das Hotel betreibt zwei Restaurants mit den Bezeichnungen Heimatküche und Esskultur. Beide Restaurants haben eine gemeinsame Küche. Die Küche genießt in Restaurantführern hohe Bewertungen. Das Restaurant Schwingshackl Esskultur ist vom Guide Michelin mit einem Stern ausgezeichnet und zählt in Restaurantführern zu den Top 100 Restaurants in Deutschland. Für das Restaurant Heimatküche vergibt der Guide Michelin einen Bib Gourmand für hervorragende Küchen mit moderaten Preisen. Unser Arrangement enthält in beiden Restaurants ein mehrgängiges Abendmenü. 
 
Motor der Kulinarik ist der gebürtige Südtiroler Erich Schwingshackl. Dessen Küchenhandschrift beschreibt der kulinarische Reiseführer Gusto als "[...] einen mittlerweile höchst selten gewordenen, konsequent klassischen Purismus, der mit seinem Fokus auf hochwertige Produkte und feingeschliffen elegante Saucen nicht altbacken, sondern einfach zeitlos wirkt. Und inmitten vieler oft den gleichen Trends folgenden Konzepten in der gehobenen Gastronomie erfrischend anders ist. (Gusto: Schwingshackl Esskultur) Stationen von Erich Schwingshackls Küchenlaufbahn beschreibt ein Eintrag in Wikipedia: Erich Schwingshackl. Maßgebliche Bedeutung für die Entwicklung von Erich Schwingshackls Küchenkompetenz haben Eckart Witzigmann und Heinz Winkler, die als Pioniere deutscher Küchenkultur zu internationalem Niveau verhalfen. 
 
Motor des Hotelbetriebs und des Services ist Katharina Schwingshackl. Ihr Profil in den Restaurant-Ranglisten beschreibt Stationen ihrer Laufbahn und Auszeichnungen ihrer Leistungen (Restaurant-Ranglisten: Katharina Schwingshackl). Seiten der Internetpräsenz des Naturhotels Rebling beschreiben die Geschichte des Paares, (Familie Schwingshackl) und des Hotels (Die Geschichte).
 
 
Dinner im Restaurant Heimatküche - Fotoserie
 
Außenterrasse Heimatküche Griechischer Bauernsalat Geeiste Tomatensuppe Wiener Backhendl mit Kartoffel-Gurkensalat und hausgemachter Remoulade Südtiroler Schlutzkrapfen Italienisches Panna Cotta mit Erdebeeren
 
Heute ist in der Heimatküche für uns reserviert. Wir nehmen auf der großen Außenterrasse Platz. Unser Arrangement sieht ein Vier-Gang-Menü mit zurückhaltendem Auftritt ohne Varianten vor. Einzelne Gänge können jedoch ausgetauscht werden. In der Karte ist der Preis für das Vier-Gänge-Menü mit moderaten 55 € angegeben.
 
Die Frau wählt statt des Backhendls mit warmem Kartoffel-Gurken-Salat und hausgemachter Remoulade ein vegetarisches Gericht, Südtiroler Schlutzkrapfen mit reichlicher gebräunter Butter. Erwartungsgemäß erfüllen alle Gerichte hohe Ansprüche an das Niveau der Qualität von Produkten und der handwerklichen Kompetenz. Punktabzug vergeben wir für den unterbesetzten und teilweise überforderten Service. Um 18:00 Uhr ist es noch ruhig. Bald danach füllen sich die Terrasse und der Innenraum. Wartezeiten werden länger als üblich. Auf den Service im Gourmet-Restaurant sind wir gespannt.
 
Am Abend kündigt sich mit Gewitter und Regenschauer ein Wetterwechsel an. Für morgen sind max. 27 Grad und wechselhaftes Wetter angekündigt, aber keine Gewitter. Bei diesen Bedingungen wollen wir eine Wanderung unternehmen. 
 
 
4. Ferienwohnung am Aschnerhof auf dem Ritten, Südtirol  
 
30.07.2026: Hitzeflucht auf das Rittner Horn - Fotoserie
 
Das Rittner Horn haben wir bereits am 20.07. besucht. Die Wiederholung ist der aktuellen Hitze geschuldet. Unsere Hitzeflucht beginnt holprig. Da der erste kostenlose Bus zur Talstation der Seilbahn erst um kurz nach 9:00 Uhr startet, brechen wir ca. eine Stunde früher mit dem eigenen Auto auf und nehmen den kostenpflichtigen Parkplatz an der Talstation der Seilbahn in Kauf. Vor Ort erfahren wir, dass der Betrieb der Seilbahn erst um 9:00 Uhr startet. Dumm gelaufen, aber eine halbe Stunde haben wir gewonnen, was in Anbetracht der hohen Tagestemperatur und noch zu erledigenden Aufgaben vor unserer Abreise als Gewinn zu werten ist. 
 
Feltuner Hütte und Schwarzseespitze vor Dolomitenpanorama Seilbahn Rittner Horn, Sarntaler Alpen Feltuner Hütte am Weg zum Rittner Horn Gasteiger Sattel und Rittner Horn Trockenmauer an der Weidegranze zur Villanderer Alm, rechts Villanderer Berg Rastplatz am Rittner Horn Rastplatz am Rittner Horn Trockenmauer an der Weidegranze zur Villanderer Alm, rechts Villanderer Berg Trockenmauer an der Weidegranze zur Villanderer Alm, Alpenhauptkamm im Hintergrund Trockenmauer an der Weidegranze zur Villanderer Alm, Sarntaler Alpen im Hintergrund
 
Heute wandern wir in Richtung Gipfel des Rittner Horns. Den Gipfel wollen wir nicht erreichen, sondern nach einer Stunde Anstieg eine Pause einlegen und anschließend umkehren. So halten wir es dann auch. Wir erhoffen gute Sicht und möchten Fotos mit dem Fotoapparat aufnehmen. An unserem Picknickplatz machen wir einige Fotos, aber die Sichtbedingungen sind von unseren Vorstellungen weit entfernt. 
 
Morgen zieht die Karawane weiter zum letzten Etappenziel unserer Rundreise. Am Nachmittag beginnen wir, unsere Abreise vorzubereiten. Mit Martha und Reinhard, Vermieter der Ferienwohnung, sprechen wir bereits über Optionen für eine Buchung im nächsten Jahr. Inzwischen haben wir für den Zeitraum 4.06.2027-18.06.2027 gebucht.
 
 
29.07.2026: Erdpyramidenweg und Rundgang in Lengmoos - Fotoserie
 
Erdpyramiden-Skulptur am Erdpyramidenweg Panorama im Dunst Labiler Hang am Finsterbachgraben
 
Eine neue Hitzewelle naht. In Klobenstein werden auf 1200 m Höhe 32 Grad erwartet, in Bozen 38 Grad. Bei diesen Bedingungen bietet sich an unserem letzten Tag das Rittner Horn als Fluchtweg an. Bei heute ca. 30 Grad planen wir keine größeren Aktivitäten. Der Erdpyramidenweg und Lengmoos liegen vor der Tür. Den Erdpyramidenweg zum Finsterbachgraben sind wir bereits am 19.07. gegangen. Heute ist es extrem dunstig. Panoramafotos lohnen sich nicht.
 
Kommende Lengmoos Kommende Lengmoos Freilichttheater im Innenhof der Kommende Lengmoos Kommende Lengmoos
 
Auf dem Rückweg von den Erdpyramiden schauen wir uns ausführlicher in Lengmoos um. Eindrücke sind eher subtil als spektakulär, aber für Interessierte sehenswert. Lengmoos ist seit dem frühen 13. Jahrhundert Sitz einer als Deutschordensballei bezeichneten regionalen Organisation des Deutschen Ordens. Niederlassungen von Ritterorden nannten ihre Sitze Kommende. Kommenden erfüllten Versorgungsfunktionen an Pilgerrouten als Hospize. Über den Ritten verlief der Kaiserweg, auf den der Eintrag vom 27.07. eingeht.   
 
Wie zahlreiche Adelssitze wurde die Lengmooser Kommende im Kontext der Reformation im Deutschen Bauernkrieg 1525 zerstört. Anführer des Tiroler Bauernaufstands war Michael Gaismair, der als Sekretär des Brixener Fürstbischofs umfassenden Einblick in dessen Geschäfte hatte. Die Aufstände wurden niedergeschlagen, aber die Reformation war nicht aufzuhalten und mündete 1618 in den Dreißigjährigen Krieg. Gaismair flüchtete nach Oberitalien und wurde 1532 in Padua von gekauften Mördern umgebracht, vermutlich im Auftrag von Erzherzog Ferdinand
 
Im 17. Jahrhundert wurde die Kommende im barocken Stil neu errichtet. In der Gegenwart finden in den Sommermonaten in Räumen der Kommende kulturelle Veranstaltungen statt, die das Kuratorium Kommende Lengmoos organisiert. Die Rittner Sommerspiele nutzen den Innenhof als Freilichtbühne für Theateraufführungen.
 
Kirche Maria Himmelfahrt aus dem frühen 13. Jahrhundert Kirche Maria Himmelfahrt aus dem frühen 13. Jh, gotischer Chor mit Netzrippengewölbe und Resten von Fresken aus dem 14. Jh., barocke Innenausstattung Kirche Maria Himmelfahrt aus dem frühen 13. Jh, gotisches Netzrippengewölbe aus dem 14. Jh. Reste gotischer Fresken an der Außenwand des Langhauses
 
Mit dem Hospiz wurde die 1211 erstmals erwähnte und 1983 unter Denkmalschutz gestellte Kirche Maria Himmelfahrt errichtet. Wie üblich, erfuhr die Kirche in nachfolgenden Jahrhunderten mehrfach Umbauten, aber der romanische Kern der Architektur ist weitgehend erhalten. Die Innenausstattung des einschiffigen Langhauses ist für Barock relativ schmucklos. 
 
Als Abstellraum genutzte Krypta Maria Himmelfahrt Altar der Friedhofskapelle St. Florian in der Friedhofskapelle bei Maria Himmelfahrt Friedhofskapelle bei Maria Himmelfahrt
 
Unter dem Chor von Maria Himmelfahrt steht die Tür zur Krypta offen und lädt zum Besuch ein. Die Krypta wird offensichtlich als Abstellraum genutzt, "Rumpelskammer "würde man in Köln sagen (das eingefügte "S" ist eine Eigenart des kölschen Idioms). Auf dem ehemaligen Friedhof der Kirche ist die Friedhofskapelle erhalten und zu besichtigen. Historische Daten zur Kapelle sind nicht zu finden. 
 
 
28.07.2026: Freud-Promenade von Linzbach nach Klobenstein - Fotoserie: Dolomiten-Panoramen
 
Sigmund Freuds Tochter Anna, eine renommierte Psychoanalytikerin (Wikipedia: Anna Freud), schrieb im September 1913 an ihren Vater:
"Lieber Papa!
Ich weiß nicht, aber ich finde Klobenstein doch fast schöner als alle anderen Ort, wo wir bisher waren. [...] 
Es war doch eine sehr gute Idee, noch herzufahren." 
 
Objekt an der Freud-Promenade Fahrgast der Rittner Bahn Abschnitt der Freud-Promeande Objekt an der Freud-Promenade
 
Heute wiederholen wir die Wanderung auf der Freud-Promenade vom 24.07. inkl. Anreise mit der Rittner Bahn bis zum Haltepunkt Linzbach am Rand von Oberbozen. Diese Wanderung würden wir am liebsten täglich gehen. Auf dem Weg stellen wir fest, dass wir Anna Freud zustimmen. Klobenstein und den Aschnerhof werden wir vermissen und haben bereits eine Rückkehr im Sommer 2027 im Kopf.
 
Schlern, Hammerwand, Völsegg, Rosengarten und Latemar im Hintergrund Freud-Promenade (links), Geisler Gruppe, Puflatsch, Seiser Alm, Plattkofel, Schlern aus Richtung Freud-Promenade Schlern, Hammerwand, Völsegg mit Rosengarten im Hintergrund Seiser Alm, Schlern, Langkofel
 
In den Dolomiten haben wir von 1990 bis 2019 zahlreiche Aufenthalte und Touren genossen. Markante Profile sind uns vertraut. Dolomiten-Panoramen sind mit endlosen Erinnerungen verknüpft. Heute fotografieren wir nicht nur mit dem Smartphone, sondern mit einem richtigen Fotoapparat vom Typ LUMIX-GX9. Dieser Post zeigt nur eine Auswahl aufgenommener Fotos. Aufnahmen werden vor der Veröffentlichung selbstverständlich bearbeitet. Als Werkzeug nutzen wir Adobe Lightroom. Ansehnliche Ergebnisse erfordern Zeit und Erfahrung.
 
 
27.07.2026: Besichtigung St. Nikolaus in Mittelberg (Fotoserie) und Spaziergang Fenn-Promenade 
 
Der Ritten ist ein alter Kulturraum. Siedlungsspuren und Spuren alter Handelswege reichen bis in die Steinzeit zurück. Da das Eisacktal lange unpassierbar war und erst ab dem 14. Jahrhundert erschlossen wurde, führte die Route über den Brennerpass schon in prähistorischer Zeit über den Ritten. Römer bauten die Wege als Abschnitt der Via Raetia. Die Bezeichnung dieser Fernstraße ist neuzeitlich. Im Mittelalter nutzten Könige und Kaiser diese Route, um sich in Rom vom Papst krönen zu lassen. Ab dem Mittelalter wird diese Route daher als Kaiserweg bezeichnet. Fürsten folgten auf der Route Pilger, die kein Versorgungstross begleitete und auf der beschwerlichen Reise körperliche und geistige Versorgung benötigten. Vom ehemaligen Kaiserweg sind nur noch wenige Reste erhalten. Bekannt ist jedoch, dass der höchste Punkt des Kaiserwegs der St. Ulrich-Pass bei Mittelberg war. Am Pass wurde im 13. Jahrhundert nahe Mittelberg die Kirche St. Nikolaus errichtet, die wir heute besichtigen. Besichtigungen werden nur montags um 10:15 Uhr nach Anmeldung in der Tourismusinformation Klobenstein angeboten.
 
St. Nikolaus in Mittelberg (Ritten) St. Nikolaus in Mittelberg (Ritten) St. Nikolaus, gotisches Wandfresko mit Heiligem Christopherus und Heiligem Nikolaus mit Pferdegespann und Weinfass an der Außenwand Gotisches Wandfresko mit Heiligem Christopherus und Heiligem Nikolaus mit Pferdegespann und Weinfass an der Außenwand St. Nikolaus
 
Mit uns finden sich fünf weitere Interessierte zur Besichtigung ein. Eine weißhaarige, ältere Dame leitet zweisprachig mit Kompetenz und Empathie die mit 20 Minuten ausgeschriebene Führung. Tatsächlich geht die Führung über 45 Minuten. Teilnehmer entrichten einen symbolischen Beitrag von 2 €.
 
Besichtigungsgruppe in St. Nikolaus Chor St. Nikolaus mit gotischen Fresken Kirchengestühl
 
St. Nikolaus wurde im späten 13. Jahrhundert im romanischen Stil errichtet und im Übergang vom 14. zum 15. Jahrhundert im gotischen Stil umgebaut. Aus dieser Zeit stammen die Fresken im Chor und an der Außenmauer. In der Epoche des Barock galt der gotische Stil als primitiv und peinlich. 1744 erhielt die Kirche einen barocken Zwiebelturm und eine barocke Innenausstattung. Ein barocker Hochaltar verdeckte die gotischen Fresken im Chor. Moden ändern sich über Zeit. In der Gegenwart ist der barocke Stil eher peinlich, während Fresken im realistischen gotischen Stil Wertschätzung genießen. Der barocke Hochaltar wurde aus St.Nikolaus nicht entfernt, aber er hat nur noch eine weniger prominente Randposition und verdeckt gotische Fresken nicht.
 
Nach der Besichtigung gehen wir noch einmal die Fenn-Promenade, die wir bereits am 22.07. gegangen sind und uns zu Wiederholungen motiviert hat. (Beschreibung auf ritten.com: Fenn-Promenade)
 
 
26.07.2026: Sonntagsausflug nach Bozen
 
Von Bäuerin Martha erfahren wir, dass am heutigen Sonntag in Klobenstein ein Fest der Schützenkompanie Peter Mayr stattfindet und bei dieser Veranstaltung die Musikkapelle Lengmoos musiziert, in der Bauer Reinhard Bass-Saxofon spielt. Am Ritten trifft man häufig auf den Namen Peter Mayr (1767-1810). Peter Mayr stammt aus Oberbozen und war ein Kampfgefährte von Andreas Hofer im Freiheitskampf gegen die bayerische und französische Besetzung Südtirols (Tiroler Volksaufstand). Er wurde ebenso wie Andreas Hofer hingerichtet. Seit dieser Zeit werden Andreas Hofer und Peter Mayr als Märtyrer und Volkshelden verehrt.
 
Wir sind weder Fans von Schützfesten noch von legendären Volkshelden, aber den Besuch der Veranstaltungen empfinden wir zunächst als Verpflichtung. Blicke auf das Programm der Veranstaltung und auf die Wettersituation erleichtern unsere Entscheidung gegen einen Besuch. Die Veranstaltung beginnt um 11:00 Uhr mit Schießen und geht ab 14:00 Uhr zur Feier mit "Musik, Tanzen, Lachen, Genießen" und "Hüpfburg für Kinder" über. Solche Veranstaltungen stressen uns. Zusätzlich spricht die Wetterprognose gegen einen Besuch. Für heute sind ab Mittag Unwetter angekündigt. Unser Alternativprogramm ist ein Besuch der Südtiroler Landeshauptstadt Bozen. Bozen kennen wir aufgrund etlicher Besuche bei früheren Südtirol-Reisen. Verkehrstechnisch ist Bozen herausfordernd, weshalb wir den Linienbus vorziehen, der mit Gästekarte kostenlos ist, bzw. mit der Kurtaxe abgegolten ist. Da es in Bozen heute heiß wird und ab der Mittagszeit schweres Wetter erwartet wird, starten wir in Klobenstein gegen 9:00 Uhr. 
 
Rundgang im Zentrum - Fotoserie
 
Hauptbahnhof Bozen Gebäudekomplex Waltherpark am Bahnhofspark Bozen Neuer Busbahnhof in Bozen
 
In Bozen wurde 2006 ein Megaprojekt der Umgestaltung des Bahnhofsareals beschlossen (Projekt Bahnhof Bozen). Laut Masterplan sollen Bahnhof und Busbahnhof verlegt und das derzeitige Bahnhofsareal städtebaulich umgestaltet und aufgewertet werden. In der Tat ist einiges passiert. Der ehemalige Busbahnhof wurde verlegt und befindet sich aktuell aus Richtung Zentrum hinter dem Bahnhof an der Rittner Straße. Langfristig soll er jedoch mit dem neuen Bahnhof umziehen. Am Ort des ehemaligen Busbahnhofs ist ein Gebäudekomplex mit Einkaufszentrum, Hotel, Büros und Wohnungen entstanden. Die Neugestaltung des Bahnhofsparks ist in der Endphase. In dessen Umgebung erkennen wir neue Gebäude. Der Kern des Projektes, Neubau Bahnhof Bozen, steht jedoch still (Südtiroler Wirtschaftszeitung 6.06.2025: Ein Megaprojekt im Stand-by). Wir wundern uns nicht. Öffentliche Projekte solcher Größenordnungen überfordern Politik auch in Deutschland regelmäßig. 
 
Waltherplatz Bozen Kathedrale Maria Himmelfahrt, Bozen Warteschlange des "Ötzi"-Toruismus am Archöologischen Museum
 
Im uns vertrauten historischen Zentrum erkennen wir keine Veränderungen. Vor dem Südtiroler Archäologiemuseum, das die als "Ötzi" bezeichnete Gletscherleiche zeigt, stehen noch immer lange Besucher-Warteschlangen mit bis zu einer Stunde Wartezeit, obwohl Online-Tickets Wartezeiten vermeiden würden. Offenbar stehen zahlreiche Menschen gerne in Warteschlangen und lassen sich von Hitze nicht abschrecken. In Bozen ist es nämlich heute wieder schwül-heiß. 
 
 
Museion, Museum für moderne und zeitgenössische Kunst - Fotoserie 
 
Museion, Museum für moderne und zeitgenössische Kunst Bozen Skulpturen von Eduard Habicher im Foyer Museion Skulpturen von Eduard Habicher im Foyer Museion
 
Keine Warteschlangen sind am Museion zu befürchten. Publikumsinteresse beschränkt sich überwiegend auf das öffentliche Museums-Café. Im Museum können wir Besucher an zwei Händen abzählen.Der Fokus des Museums für moderne und zeitgenössische Kunst liegt auf Ausstellungen von Arbeiten und Performances in Italien lebender Künstler und von Werken mit Bezug zu Italien. Aktuell zeigt das Museum drei Ausstellungen: 
  • 20.02.2026 – 31.01.2027: Memory in Motion, Metallskulpturen von Eduard Habicher 
  • 28.03.2026 – 13.09.2026: Feedback, Environments von Franco Vaccari
  • 25.04.2026 – 08.11.2027: Sweet Landscape, Malerei und Installationen von Evelyn Taocheng Wang
Evelyn Taocheng Wang, Lining Painting of Bolzano Veggie Evelyn Taocheng Wang, Ingres's Italian Window Evelyn Taocheng Wang
 
Das Museum ist schnell abgehakt. Metallskulpturen von Eduard Habicher sind interessant, aber die Menge der raumfordernden Objekte ist überschaubar. Evelyn Taocheng Wangs 'süße Landschaften' sind witzig und intellektuell anspruchsvoll, aber als spannend empfinden wir sie nicht. Franco Vaccaris Environments langweilen uns. Um 13:00 Uhr sind wir zurück in Klobenstein. Das befürchtete Unwetter lässt den Ritten aus. Es fällt lediglich etwas Regen, aber zu wenig für die dürstende Landschaft. 
 
 
25.07.2026: Spaziergang auf der Von Eyrl Promenade und dem Parschalkweg - Fotoserie 
 
Von Eyrl Promenade Von Eyrl Promenade Kirche Maria Himmelfahrt, Lengmoos Kirche Maria Himmelfahrt, Lengmoos Aschnerhof und Rittner Horn Bäckerei Jakob's Stube in Klobenstein
 
Die Von-Eyrl-Promenade verbindet Klobenstein mit Lengmoos an einem mit Buchen und Kiefern bewachsenen Hang. Benannt ist der Weg nach der Tiroler Adelsfamilie Eyrl von und zu Waldgries und Liebeneich, die den Weg Mitte des 19. Jahrhunderts anlegen ließ. Der Name Waldgries ist uns aufgrund des historischen Weinhofs Ansitz Waldgries in St. Justina bekannt. Den Ansitz übernahm 1932 die Familie Plattner und betreibt seit dieser Zeit das renommierte Weingut Ansitz Waldgries. Ein Post aus 2016 berichtet über unseren Besuch des Weinguts: Besuch der Weingüter Ansitz Waldgries und Klosterkellerei Muri-Gries in Bozen, Südtirol
 
Die Von-Eyrl-Promenade wurde ursprünglich von Ordensleuten am Sitz in Lengmoos als Brevierweg genutzt, auf dem sie ihrer Pflicht der Stundengebete nachkamen. Wir beginnen den Spaziergang in Klobenstein ohne Stundengebete und kehren nicht auf dem gleichen Weg zurück, sondern erweitern den Spaziergang zu einem Rundweg. Vom Ortszentrum in Lengmoos ermöglicht der etwas höher liegende Parschalkweg eine Fortsetzung des Spaziergangs zurück nach Klobenstein. Vom Weg erblicken wir den von Wiesen umgebenen Aschnerhof und das Rittner Horn. In Klobenstein erledigen wir Einkäufe für Küchenbedarf am Wochenende.
 
 
24.07.2026: Panorama-Wanderung auf der Freud-Promenade von Linzbach nach Klobenstein - Fotoserie 
 
Die Freud-Promenade zwischen Klobenstein und Oberbozen wandern wir nur in einer Richtung und nutzen für die Gegenrichtung die Rittener Bahn. Gestern haben wir irrtümlich die Rittener Bahn für einen ausgefallenen Zug kritisiert. Eine Bahn um 9:36 Uhr sieht der Fahrplan nicht vor. 
 
Bahnstation Linzbach Freud-Promenade bei Linzbach Alpakas an einem Hof bei Linzbach
 
Um Gedränge in Zügen von Oberbozen nach Klobenstein zu vermeiden, fahren wir von Klobenstein bis Linzbach am Ortsrand von Oberbozen und starten dort unsere etwas mehr als zweistündige Wanderung auf einem zu Recht als Promenade bezeichneten Weg. Der meistens breite Weg ist bestens gepflegt, markiert und mit zahlreichen Sitzbänken ausgestattet sowie nur moderat profiliert. Tafeln am Weg erinnern an Sigmund Freuds Aufenthalt in Klobenstein im Jahr 1911. Kurz nach dem Start treffen wir an einem Hof auf Alpakas.
 
Waldkirche am Haus der Familie bei Lichtenstein Interaktive Bronzeskulptur des Bildhauers Josef Rainer und der Komponistin Manuela Kerer am Haus der Familie bei Lichtenstein Interaktive Bronzeskulptur des Bildhauers Josef Rainer und der Komponistin Manuela Kerer am Haus der Familie bei Lichtenstein
 
Am Weg liegt beim Hotel Lichtenstern das katholische Bildungs- und Begegnungszentrum Haus der Familie. An der Waldkirche der Einrichtung treffen wir auf die Bronzeskulptur Klingende Säule des Brixener Künstlers Josef Rainer, Sohn des renommierten Südtiroler Bildhauers Martin Rainer, auf dessen Lebensbrunnen wir vor drei Tagen in Brixen getroffen sind. Die Klingende Säule ist als Klangsäule mit drehbaren Scheiben konzipiert. Die Komponistin Manuela Kerer hat Klänge und Geräusche beigetragen, die das Drehen der Scheiben aktivieren. Tonfarben verändern sich mit der Geschwindigkeit der Drehung. Das gleichzeitige Drehen mehrerer Scheiben ergibt ein breites Klangspektrum.
 
Dolomiten-Panorama an der Freud-Promenade Dolomiten-Panorama an der Freud-Promenade Dolomiten-Panorama an der Freud-Promenade Schlern und Langkofel aus Richtung Freud-Panorama Dolomiten-Panorama an der Freud-Promenade Freud-Promenade Kobenstein mit Dolomiten-Panorama an der Freud-Promenade
 
Auf dem Weg wechseln schattige Abschnitte durch Kiefernwald mit Lichtungen, auf denen wir grandiose Ausblicke auf die Dolomiten-Kulisse genießen. Den Weg müssen sich Wanderer mit Radfahrern teilen. Begegnungen sind auf breiten Abschnitten unkompliziert. Auf engeren Abschnitten sehen wir entgegenkommende Radfahrer frühzeitig und können ausweichen. Wenn Radfahrer in der gleichen Richtung unterwegs sind und Platz zum Überholen auf engen Abschnitten fordern, wird Kooperation schwieriger.
 
Der 2006 als Freud-Promenade eingerichtete Wanderweg zwischen Klobenstein und Oberbozen bezieht sich auf Sigmund Freud (1856  -1939), der als Begründer der Psychoanalyse gilt und das Unbewusste bekannt gemacht hat. 1911 verbrachte Freud mit seiner Familie Urlaub in Klobenstein, wo das Ehepaar Freud auch seine Silberhochzeit feierte. Überliefert ist, dass Freud in Klobenstein an Aufsätzen arbeitete, die 1912/1913 veröffentlicht wurden und später als Buch unter dem Titel Totem und Tabu erschienen. Freuds Denken war von evolutionistischer Auffassung geprägt, die europäische Zivilisation als Höhepunkt kultureller Menschheitsentwicklung versteht. Gemäß dieser Ansicht erklärt die Erforschung „primitiver Völker“ den Weg der Menschheitsentwicklung. Den Ursprung von Kultur erklärte Freud spekulativ mit der vermeintlichen Ermordung des bewunderten Vaters durch seine Söhne in der Urhorde, weil der Vater alle Frauen für sich beanspruchte. Die Entstehung von Verwandtschaftsstrukturen, Tabus und Religion erklärt Freud als getrieben durch Reue der Söhne über ihre Tat. Ethnologen lehnten Freuds Theorie ab. Thomas Mann bewertete das Buch als ein Meisterwerk deutscher Essayistik (Wikipedia: Totem und Tabu). Freuds Deutungsmuster ist wahrscheinlich von der Tabuisierung sexueller Motive im frühen 20. Jahrhundert beeinflusst. (Rezension Totem und Tabu: literaturkritik.de: Der Vatermord als Urszene der Kultur)

 
23.07.2026: Hofführung am Aschnerhof
 
Bauern Martha und Reinhard veranstalten für Gäste der drei Ferienwohnungen des Aschnerhofs um 19:30 Uhr eine Hofführung. Die Zeit passt nicht zu unserem Abendrhythmus, aber wir nehmen selbstverständlich teil. Zur vereinbarten Zeit finden sich acht Hofgäste ein, die in drei Sprachen kommunizieren: Deutsch, Italienisch, Französisch. Die französischen Gäste verstehen teilweise Italienisch, sodass Verständigung möglich ist. Alle Teilnehmer gehören zu unserer Altersklasse. Fotos der Führung haben wir nicht aufgenommen. Das historische Familienfoto hängt in der Ferienwohnung. Das Foto zeigt in der Mitte der oberen Bildreihe Reinhards Großvater "Aschner Hans", der neun Kinder hatte. Kinder waren als Arbeitskräfte auf dem Hof unentbehrlich. Geheiratet haben nur zwei der neun Kinder, u.a. Reinhards Mutter "Aschner Frieda". Der Aschnerhof und das Bauernhaus bestehen seit dem 16. Jahrhundert. Der Hof ist als unteilbarer Erbhof seit mehr als 200 Jahren im Familienbesitz und bewirtschaftet aktuell 7,5 ha Mähwiesen und 12,5 ha Wald. 

Familie Aschner ca. um 1900
 
Während der Führung berichtet Bauer Reinhard, wie er als gelernter Tischler und Schreiner zum Bauern mutierte. Als Hans Junior 1989 verstarb, übernahmen die Geschwister Josef, Elisabeth und Filomena den Hof. Elisabeth verstarb 1998, Josef im Jahr 2000. Filomena war bereits 75 Jahre alt und mit der Führung des Hofs überfordert. Sie bot ihrem Neffen Reinhard den Hof an. Reinhard hatte Landwirtschaft nicht gelernt, aber er stimmte zu. Reinhard führte den Hof zunächst im Nebenerwerb und ab 2003 in Vollzeit. Die herausfordernde Übergangszeit wurde bewältigt. Martha und Reinhard sind leidenschaftlich überzeugte Landwirte. Elisabeth und Filomena sind im Alter von 98 bzw. 102 Jahren verstorben. 
 
Der Rundgang beginnt in der Scheune, in der Heu für die Versorgung der Milchkühe im Stall gelagert wird. Jungkühe sind im Sommer auf einer Alm am Rittener Horn. Aufgrund des trockenen Wetters reicht das selbst geerntete Heu für die Versorgung der Kühe nicht aus, sodass Heu zugekauft werden muss. Da Heu knapp ist, steigen die Preise. Anschließend besichtigen wir den Kuhstall mit 10 Milchkühen und 2 Kälbern im Alter von 3 Monaten und 3 Tagen. Junge Kälber werden mit 12 l Muttermilch pro Tag versorgt. Ältere Kälber benötigen 18 l. Soweit Milch nicht für die Eigenversorgung gebraucht wird, geht sie an den Milchhof Brimi in Brixen. Die nächsten Stationen des Rundgangs sind der Gerätepark des Hofs und Reinhards Schreinerwerkstatt.  
 
Als Highlight der Führung besichtigen wir zuletzt einen im Zweiten Weltkrieg 12 m in den Berg getriebenen Stollen, der als Luftschutzkeller diente. Unklar bleibt, ob dieser Keller tatsächlich benötigt wurde. In dem Felsenkeller herrscht ganzjährig eine Temperatur von 9 Grad. Wirtschaftlich nutzbar ist der Keller wegen Feuchtigkeit nicht. Nach 1,5 Stunden endet die Führung gegen 21:00 Uhr. Bis dahin musste unser Abendessen warten. Wir haben Salade niçoise vorbereitet und können ohne zusätzliche Küchenarbeit zum Dinner übergehen.
 
 
23.07.2026: Fahrt mit der Rittener Bahn zum Einkauf in Oberbozen - Fotoserie 
 
Bahnhof Klobenstein Rittener Schmalspurbahn am Bahnhof Oberbozen Bergstation der Seilbahn von Bozen am Bahnhof Oberbozen
  
Auf dem Ritten verkehrt zwischen Oberbozen und Klobenstein halbstündlich eine relativ kurze Schmalspurbahn. Die Länge von Bahnsteigen an Stationen erlaubt nur zwei Waggons. Für Touristen mit der kostenpflichtigen Gästekarte oder Südtirolkarte ist die Nutzung der Bahn kostenlos. Das bringt uns auf die unglückliche Idee, fällige Einkäufe unserer Küchenversorgung per Rittener Bahn in Oberbozen zu tätigen. In Klobenstein warten wir vergeblich auf die fahrplanmäßig um 9:36 Uhr verkehrende Bahn. Als Nutzer der DB sind wir gegen Verspätungen abgestumpft und warten geduldig insgesamt 45 Minuten, bis uns die nächste Bahn nach Oberbozen transportiert. Einkäufe in Oberbozen sind schnell erledigt. Um 11:06 Uhr könnten wir die am Bahnhof wartende Bahn zurück nach Klobenstein nehmen. Diese ist bereits so überfüllt, dass sie nicht alle Fahrgäste aufnehmen kann, darunter wir.
 
Erneut gewinnen wir 30 Minuten Wartezeit und beobachten, wie sich zyklisch Andrang aufbaut. Die Seilbahn von Bozen nach Oberbozen ist mit Gästekarte kostenlos nutzbar. Kabinen der Seilbahn verkehren im Vier-Minuten-Takt und fassen 35 Personen. Alle 4 Minuten verlassen die Seilbahn bis zu 35 Personen, von denen die meisten die Rittener Bahn nutzen wollen. In kurzer Zeit ist der Bahnsteig mit wartenden Gästen überschwemmt. Wir bringen uns am Bahnsteig in eine günstige Startposition, sodass wir schnell in der nächsten Bahn sind und sogar Sitzplätze ergattern. Bis zur Abfahrt ist auch diese Bahn so voll, dass nicht alle Fahrgäste befördert werden können. An sechs von sieben Stationen auf der Strecke finden nur wenige Ausstiege und Zustiege statt. An einer der Stationen wartet jedoch eine größere Gruppe mit mindestens 50 Kindern und mehreren Betreuern vergeblich auf die Bahn. Bei solchen Bedingungen kommen Heimatgefühle auf. 
 
 
22.07.2026: Dinner im Restaurant Feines Eck'l der Schartner Alm - Fotoserie 
 
Vor der Reise zum Ritten haben wir recherchiert, ob im näheren Umfeld der gebuchten Ferienwohnung Restaurants zu finden sind, die nicht nur sättigen, sondern auch anspruchsvolle Esser glücklich stimmen. Wir haben das ca. 1,2 km von der Ferienwohnung entfernte Restaurant Feines Eck'l der Schartner Alm gefunden und bereits zu Hause reserviert. 
 
Dolomitenblick auf dem Weg zur Schartner Alm Restaurant-Gebäude Schartner Alm Restaurant Feines Eck'l Menü Restaurant Feines Eck'l Riesling Falkenstein 2024 Sauerteigbrot & Tomatenbutter Sauerteigbrot & Tomatenbutter, Bachrauschen Gebeiztes Filet vom Saibling, Gurke-Kopfsalat Sud, Kapuzinerkresse Restaurant Feines Eck'l Gruß aus der Küche Gurkenkaltschale, Basilikum-Schaum, Polenta-Chip mit Hirschsalami, Grissini Gruß aus der Küche Rote Beete, Schafskäse, Haselnuss Bachrauschen Gebeiztes Filet vom Saibling, Gurke-Kopfsalat Sud, Kapuzinerkresse Waldpilze Stunden Ei vom Rittner Bauernhof, Blattspinat, Waldpilze und Sommertrüffel Meeresbrise Hausgemachte Safranravioli mit Garnelenfüllung, Bouillabaisse Sauce und Krustentier Öl Almwiese Flat Iron Steak vom heimischen Rind, Chimichurri, fermentiertes Spitzkraut und Estragon Pfirsich Melba Pfirsich, Himbeere, Vanille, Mandel „Neu interpretiert" Espresso & Petit Fours
 
Um 18:30 Uhr treffen wir als erste Gäste ein. Über den Abend sind alle Tische besetzt. Die sympathische Service-Leiterin Michaela Grosmanova empfängt uns charmant wie Stammgäste. Wir entscheiden uns für ein Menü in vier Gängen, das mit 76 € berechnet wird. Hinzu kommen 4 € Coperto. Als Weinbegleitung wählen wir einen Riesling Falkenstein 2024 aus dem Vinschgau. Dieser Wein gilt als einer der besten Rieslinge Italiens. Der Weinführer Gambero Rosso vergibt seit Jahren die Höchstbewertung von drei Gläsern. Weitere einschlägige Weinführer bewerten den Wein mit 92 bis 94 Punkten (bei 90 Punkten beginnt Spitzenklasse). Der Einkaufspreis beträgt lediglich moderate ca. 22 €. Auf der Weinkarte des Restaurants ist der Wein mit 39 € ebenfalls moderat bepreist. In Deutschland hätten wir erheblich mehr gezahlt. 
 
Zu Beginn wird neben frischem Sauerteigbrot mit Tomatenbutter ein vielversprechender vierteiliger Gruß aus der Küche serviert. Der Auftakt kündigt ein erinnerungswürdiges Menü an. Der noch junge Koch Jakob Eckl hat auf Stationen in renommierten Drei- und Zweisterne-Häusern Erfahrungen in Deutschland, Österreich, Dänemark, Schweiz gesammelt. Zu seinen Stationen zählen Küchenchefs und -chefinnen wie Jan Hartwig, Andreas Caminada, Rasmus Kofoed, Tanja Grandits, Heiko Nieder, Manuel Ressi. Sein Küchenstil wird als Cross-over-Küche bezeichnet, die Stilelemente unterschiedlicher Küchenstile kombiniert. Jakob Eckl jongliert mit Aromen, Stilen, Techniken und komponiert mit souveräner Handschrift ebenso spannende wie schlüssige Gerichte, die sich vom Mainstream deutlich abheben. Bezüglich der Beilagen zum Rindfleischgericht sei eine kleine Einschränkung erwähnt, die selbstverständlich von persönlichen Vorlieben geprägt ist. Die Kombination von fermentiertem Spitzkraut mit Chimichurri erzeugt eine unharmonisch wirkende säuerliche Schärfe. 
 
Die Qualität der verwendeten Produkte ist selbstverständlich hochwertig, aber keineswegs exklusiv, sondern eher bodenständig mit regionalen Bezügen. So erklärt sich der günstige Preis des Menüs. Die Frau wählt statt des Hauptgangs (Flat Iron Steak vom heimischen Rind, Chimichurri, fermentiertes Spitzkraut und Estragon) einen Zwischengang (hausgemachte Safranravioli mit Garnelenfüllung, Bouillabaisse Sauce und Krustentieröl). Espresso und Petit Fours gehen aufgrund der im Vergleich zum Fleischgericht niedrigeren Produktkosten des Zwischengerichts fairerweise aufs Haus. Den Besuch im Restaurant Feines Eck'l verbuchen wir als eine absolut erfreuliche Erfahrung, für die wir 2 x 30 Minuten Fußweg inklusive Bergwertung gerne in Kauf nehmen.

 
22.07.2026: Spaziergang auf der Fenn-Promenade - Fotoserie
 
Fenn-Promenade Aussichtsterrasse an der Fenn-Promenade Ausblick in Richtung Völsegg, Latemar, Schwarzhorn, Weißhorn Fenn-Promenade Ausblick in Richtung Langkofel, Plattkofel, Schlern, Rosengarten Erdpyramiden im Finsterbachgraben, St. Nikolaus, Rittner Horn Ausblick zum Aschnerhof
 
Das Restaurant Feines Eck'l der Schartner AlmKlobenstein, versteht sich als Gourmet-Restaurant. Das zieht uns natürlich an. Für den Abend haben wir reserviert. Die Schartner Alm liegt ca. 30 Minuten Fußweg entfernt, aber der Weg enthält Bergwertungen. Selbstverständlich wollen wir zu Fuß gehen. Um nicht alle Körner zu verbrauchen, halten wir über den Tag den Ball flach und unternehmen einen Spaziergang zwischen Klobenstein und Lengmoos auf einem Promenadenweg durch Buchenwald um den Fennbühel. Der Weg bietet großartige Ausblicke auf die Umgebung. Die Dolomiten liegen zwar im Schatten, aber die Sicht ist nach den gestrigen Regenschauern und einer Abkühlung heute gut. Dummerweise haben wir zum Fotografieren nur das Smartphone mitgenommen. Mit einem guten Fotoapparat wäre heute mehr möglich gewesen. Bei guter Sicht wollen wir den Weg mit Fotoapparat wiederholen.
 
  
21.07.2026: Kulturausflug im Eisacktal: Kloster Neustift, Brixen, Eisacktaler Kellerei - Fotoserie 
 
Da das Wetter heute unbeständig ist und eine Wanderpause uns gut tut, unternehmen wir einen Kulturausflug im Eisacktal, mit dem wir Erinnerung an eine Tour von 2015 auffrischen (Post September 2015).  
 
Pfarrkirche Barbian mit schiefem Turm Klostermauer Kloster Neustift Engelsburg und Stiftskeller Kloster Neustift
 
Auf dem Hinweg zum Kloster Neutift wählen wir eine Route über die Gemeinde Barbian. Wahrzeichen des Ortes ist der 37 m hohe schiefe Turm der Pfarrkirche St. Jakob mit einer Schieflage von 1,57 m an der Spitze. (Der Schiefe Turm von Pisa hat an der Spitze eine Auslenkung von 3,9 m bei 55,8 m Höhe.)
 
Stiftsgarten Kloster Neustift Klosterhof Kloster Neustift mit Wunderbrunnen und Turm der Basilika Pfarrkirche St. Margarethen und Friedhof im Kloster Neustift
 
Beim Eintreffen im Kloster Neustift setzt eine Serie von Regenschauern ein, die uns über den Tag begleitet. Im Areal des Klosters fallen sofort zahlreiche Veränderungen der touristischen Infrastruktur auf, u.a. Erweiterungen der kostenlosen Parkplätze, ein neues Toilettengebäude (die Nutzung ist kostenlos) sowie die zentrale Einrichtung eines Infopoints und Ticketshops. Auch der Internetauftritt des Klosters Neustift ist neu für uns. Besichtigungen innerhalb der Gebäude sind nur noch mit Ticket möglich (13 € Erwachsene, 11 € Senioren) und der Besuch des Klostergartens ist ebenfalls kostenpflichtig (5 pP oder per Kombiticket zum Preis von 16 € bzw. 14 € für Senioren). 2015 haben wir das Kloster ausführlich im Rahmen einer Führung besucht, die ein Post von September 2015 beschreibt. Heute beschränken wir uns auf kostenlos zu besichtigende Teile des Klosters und müssen während des Rundgangs mehrmals Schutz vor Regenschauern suchen. 
 
Erwähnenswert sind im Kontext des Klosters zwei historisch bedeutende Persönlichkeiten.
  • 1450 ernannte der Papst Nikolaus von Kues (Cusanus) zum Fürstbischof von Brixen. Als Bischof versuchte er, das schwer verschuldete Bistum von Brixen gegen den Widerstand des Adels zu sanieren und zu einer Musterdiözese zu machen und scheiterte an diesem Vorhaben. Der Tiroler Adel bedrohte und überfiel Cusanus, sodass dieser sich 1457 auf die Burg Buchenstein zurückzog und 1458 aus Brixen flüchtete (Cusanus Portal: Leben und Werk).
  • Der streitbare Ritter Oswald von Wolkenstein wählte 1411 das Augustiner-Chorherrenstift Neustift als Seniorenresidenz und erwarb dort Wohnrecht. Genutzt hat Oswald von Wolkenstein sein Wohnrecht vermutlich selten, aber als Augustiner-Chorherr wurde er 1445 im Kloster bestattet. Das Grab war verschollen und wurde 1973 im Kloster Neustift entdeckt. Vor einer Pilgereise nach Palästina gab Oswald 1408 ein Epitaph in Auftrag. Das an der Außenseite des Brixener Doms aufgestellte Epitaph stellt Oswald von Wolkenstein als Kreuzritter mit Pilgerbart dar.
Rundgang in der Altstadt von Brixen
 
Adlerbrücke über die Eisack und Weißer Turm in Brixen Weißer Turm der Pfarrkirche St. Michael in Brixen Dom Mariä Aufnahme in den Himmel in Brixen Dom Mariä Aufnahme in den Himmel und Lebensbrunnen von Martin Rainer in Brixen Michaelsbrunnen am Weißen Turm in Brixen Lebensbrunne von Martin Rainer auf dem Domplatz Brixen Jahrtausendsäule mit Osterlamm auf dem Hofburgplatz Patisserie Gasser am Großen Graben Brixen Topfenstrudel in der Patisserie Gasser am Großen Graben Brixen Sonnentor (Stadttor) in Brixen
 
Das Zentrum der überschaubaren Altstadt der ehemaligen Bischofsstadt Brixen bildet der Domplatz mit dem Brixener Dom und weiteren beachtlichen Gebäuden. Sehenswert ist auf dem Domplatz der Lebensbrunnen des Schnalstaler Bildhauers Martin Rainer (1923–2012). Figuren des Brunnens stellen Lebensphasen des Menschen und den Kreislauf des Lebens als eine Spirale dar, die aus Gottes Hand hervorgeht und in Gottes Hand zurückkehrt.
 
Schwüle Wärme verhindert einen ausgedehnten Rundgang in Brixen. Am Großen Graben gönnen wir uns in der Patisserie der Gasserbrothers eine Kaffeepause mit Topfenstrudel. Im Feinkostgeschäft Speck am Tor gegenüber dem Stadttor Sonnentor erstehen wir Südtiroler Speck, ehe wir die Rückfahrt mit einem Stopp an der Eisacktaler Kellerei fortsetzen. Qualitätsweine der Kellerei stammen aus dem Anbau in Steillagen und sind keine billigen Tropfen. Weine der Basis-Linie werden für 11,80 € pro 0,75 l abgegeben. Weine höherer Qualitätsstufen erzielen in Vergleichen regelmäßig Auszeichnungen und werden zu deutlich höheren Preisen verkauft. Der Weinführer Falstaff bewertet die Kellerei mit drei Sternen und führt sie damit unter den Top 50 Betrieben in Südtirol.
 
 
20.07.2026: Wanderung auf dem Hochplateau des Rittner Horns – Fotoserie
 
Gipfel Rittner Horn, 2.260 m Panoramaweg an der Schwarzseespitze Blick vom Panoramaweg zu den Rosszähnen an der Seiser Alm
 
In den Westalpen werden nur mit Erfahrung, Technik, Kondition zu besteigende spektakuläre Gipfel als Horn bezeichnet. Das Rittner Horn (2.260 m) ist lediglich eine aus dem Rittner Hochplateau herausragende, relativ flache Kuppe, die aber immerhin das Rittner Hochplateau um 1000 m überragt und ein grandioses Panorama bietet, wenn das Wetter passt. Ebenso wie der gesamte Ritten ist die Region des Rittner Horns mit ihrem gut ausgebauten Wegenetz, technisch moderaten Wegen und mehreren Restaurants primär ein Wanderparadies für Senioren.
 
Dolomitenpanorama am Rittner Horn
 Dolomiten-Panorama am Rittner Horn
 
1000 Höhenmeter sind für uns seit einigen Jahren kein Spaziergang. Dank Infrastruktur und Gästekarte ist die Region des Rittner Horns relativ einfach und kostenlos erreichbar. Wir verzichten auf das Auto und gehen von der Ferienwohnung auf einer kräftig ansteigenden Route zunächst zur Schartner Alm (25 Minuten), von der wir den Bus zur Talstation der Rittner Bergbahn nehmen. Die Bergbahn befördert uns in 10 Minuten von 1.540 m zur Schwarzseespitze in 2.070 m Höhe. Ohne Gästekarte würden 25 € pP kassiert. Um den Gipfel des Rittner Horns zu erreichen, müssten wir weitere 200 m aufsteigen, was wir jedoch nicht beabsichtigen, zumal wir 2016 auf dem nicht beeindruckenden Gipfel waren (Wanderung von der Villanderer Alm auf das Rittner Horn). Heute begnügen wir uns mit dem Panoramarundweg, der nicht exponiert ist, aber trotzdem einige Kraft kostet. Dunstiges Wetter beeinträchtigt die Aussicht. Bei besserer Fernsicht werden wir die Tour wiederholen. Am Abend wird die Sicht besser und erlaubt klarere Fotos von der Terrasse der Ferienwohnung
 
 
19.07.2026: Wanderung zu Erdpyramiden bei Lengmoos - Fotoserie
 
Erdpyramiden im Finsterbachgraben bei Lengmoos Schlernblick Erdpyramiden bei Lengmoos mit Maria Saal
 
Die sehenswerten Erdpyramiden im Finsterbachgraben bei Lengmoos erreichen wir vom Aschnerhof zu Fuß in ca. 30 Minuten (Beschreibung im Portal Ritten). Was als Erdpyramide bezeichnet wird, beschreibt der Eintrag Erdpyramide in Wikipedia. In Europa bestehen diese geologischen Formationen auch in anderen Regionen, aber auf dem Ritten sind sie besonders eindrucksvoll. Ähnliche, aber nicht identische Erosionsformen werden in den USA als Hoodoos bezeichnet. Auf dem Colorado-Plateau sind Hoodoos häufig anzutreffen. Besonders dicht und beeindruckend sind sie im Bryce-Canyon-Nationalpark zu sehen, den wir 2012 besucht haben. Eindrücke beschreiben zwei Posts (Post1 - Post2). 
 
Spurrillen von Fuhrwerken aus der Römerzeit Weniger auffällig als Erdpyramiden, aber nicht weniger beeindruckend sind am Weg in Steinen hinterlassene Wagenspuren aus römischer Zeit, die als Karrengeleise bezeichnet werden. Da das sumpfige Eissacktal oft unpassierbar war, verlief ein Abschnitt der römischen Via Raetia über den Ritten. Strittig ist, ob Wagenspuren ähnlich wie Schienen konstruiert wurden, um Transporte auf Wagen zu erleichtern, oder ob Abrieb durch Wagen diese Spuren erzeugte.
 
 
 
 
 
 
18.07.2026: Rundweg um Klobenstein ab Aschnerhof - Fotoserie
 
Kirche Heiliger Antonius in Klobenstein Klobenstein (vermutlich mittelalterlicher Pranger) Tafel am Klobenstein Stilisierte Erdpyramide in Klobenstein Aschnerhof, Ritten Ferienhaus am Aschnerhof, Schwarzhorn und Weißhorn im Hintergrund Lengmoos, Schwarzhorn und Weißhorn
 
Zwei im positiven Sinn spannende Tage liegen hinter uns. Nach dem gestrigen Ankunftstag verschaffen wir uns heute Ortsorientierung. Wir wandern eine Runde via Lengmoos durch Klobenstein und erkunden lokale Einkaufsquellen. Kritisch betrachtet könnte man Klobenstein als gentrifiziertes Dorf werten. Exklusiv ist Klobenstein jedoch nicht. Wir sehen Klobenstein als ein sympathisches, gepflegtes, weltoffenes Dorf für ein überwiegend älteres, zahlungskräftiges Publikum, zu dem wir uns auch zählen. Die Infrastruktur von Hotels, Restaurants, Einkaufsquellen sowie für Freizeitaktivitäten ist am Publikum ausgerichtet, also höherwertig, aber nicht luxuriös.
 
Nach 2,5 Stunden Wanderung genießen wir den Nachmittag auf der Terrasse der Ferienwohnung mit Kaffee und hervorragendem Topfenstrudel von der Bäckerei Jakob's Backstube im Zentrum von Klobenstein. Die erste Lage Wäsche ist bereits gewaschen und in der Sonne schnell getrocknet. Gekocht haben wir gestern für drei Tage und müssen heute nur anrichten. So geht gutes Leben.
 
 
17.07.2026: Ankunft am Aschnerhof auf dem Ritten - Fotoserie 
 
Aschnerhof, Ritten Aschnerhof, Ferienhaus, Schlern Schlern  im Abendlicht an der FeWo Aschnerhof
 
Bei der Durchfahrt hatten wir in Bozen heute 30 Grad. Auf dem Ritten ist die Temperatur angenehm. Das durchgehend sonnige Wetter schließt Regenschauer nicht aus. In den nächsten Tagen wird es wahrscheinlich etwas unbeständiger und kühler. In Klobenstein sind über Mittag alle Geschäfte geschlossen. Einkäufe erledigen wir daher 5 km vor dem Ziel in Oberbozen. Um 15:00 Uhr erreichen wir auf dem ca. 1.200 m hohen Plateau des Ritten den Aschnerhof bei Lengmoos, der insgesamt drei Ferienwohnungen anbietet. Auf dem Portal für Urlaub auf dem Bauernhof ist der Aschnerhof mit vier Blumen ausgezeichnet, vergleichbar mit vier Sternen sowie mit 5/5 Punkten bewertet: Roter Hahn: Aschnerhof
 
Am Hof empfängt uns die sympathische junge Bäuerin Martha und schlägt sogleich das Du als Anrede vor. Ihr Mann Reinhard ist bei unserer Ankunft mit den vier Kindern unterwegs. Das Ferienhaus liegt etwas abseits vom Hof auf einem kleinen Hügel an der Kante zum Hang ins Tal. Wir bewohnen die Ferienwohnung Auf m Egg im Erdgeschoss. Weitere Wohnungen im Haus gehören einem anderen Besitzer. Das Ferienhaus ist Klimaschutz-zertifiziert. Die Gemeinde Ritten ist mit dem European Energy Award (EEA) Silver ausgezeichnet. Silber-Gemeinden müssen mindestens 50 % der vom EEA definierten Maßnahmen zur Energieeffizienz und zum Klimaschutz umgesetzt haben. Gold-Gemeinden müssen mindestens 75 % umgesetzt haben (Wikipedia: European Energy Award). 
 
In Deutschland ist das EEA-Programm zum 31.12.2025 ausgelaufen. Seit April 2026 ist das Nachfolgeprogramm Klimakommune Deutschland gestartet. Etliche Gemeinden sind bereits vorher aus dem Programm ausgestiegen. Anspruchsvolle Klimaziele kollidieren mit der Finanzlage vieler Gemeinden, sodass etliche Gemeinden ihre Klimaziele aufgegeben haben. Die Stadt Köln bekennt sich bisher zu Klimaschutzzielen und will bis 2035 klimaneutral sein (Stadt Köln: Klimaziele für Köln).
 
Martha macht uns mit der Ferienwohnung vertraut. Die Einrichtung aller Ferienwohnungen hat Bauer Reinhard mit viel Liebe und großer Kompetenz selbst erstellt und dabei auf alpenländische Folklore verzichtet. Bevor Reinhard den Hof von seiner Tante erbte, hat er nämlich als Möbelschreiner gearbeitet. Die qualitativ hochwertige Einrichtung im sachlichen Stil sieht keineswegs nach Bastelei aus. Zur Wohnung gehören zwei Terrassen und eine Liegewiese mit Anpflanzungen von Küchenkräutern. Im Bad steht eine Waschmaschine zur Verfügung. Die Küche ist mit Kühlschrank, Backofen und vollwertigem Ceran-Kochfeld sowie mit einer Spülmaschine ausgestattet, die wir prinzipiell nicht nutzen. Fenster sind mit Insektenschutz versehen. Internetverbindungen laufen stabil und ausreichend schnell. Am Hof können wir Hofprodukte und Getränke erstehen. Für nicht am Hof verfügbare Produkte erfordern Einkäufe Wege zu Fuß oder mit dem Auto bergab nach Klobenstein und bergauf zurück. Mit guter Organisation können wir Extra-Touren vermeiden.
 
Ein besonderes Highlight ist die Aussicht. Vom Ferienhaus blicken wir zum Schlern, zum Plattkofel und zum Langkofel, die uns von etlichen Aufenthalten in Seis am Schlern und von Wanderungen in den Südtiroler Dolomiten vertraut sind (Fotos der Aussicht). Unsere letzte Wanderung auf den Schlern war 2018 (Fotoserie der Tour). Unsere Leistungsfähigkeit ist inzwischen stark reduziert, womit der Wert von Erinnerungen gewinnt. Wir sind angekommen und freuen uns auf die beiden nächsten Wochen. So haben wir den Aufenthalt in unserer Fantasie ausgemalt. Meistens kommt es dann vor Ort etwas anders, aber hier ist das nicht der Fall. Am frühen Abend legen wir in der Küche Hand an und kochen so, wie es uns gefällt und schmeckt. Bei Selbstversorgung essen wir in Südtirol anders als zu Hause, ohne auf Genuss zu verzichten. Wir passen uns dem Marktangebot an und halten den Aufwand in der Küche niedrig. Preise der Produkte sind überwiegend höher als in Deutschland, aber sie sind der durchschnittlich höheren Qualität der Produkte angemessen.
 

17.07.2026: Erinnerungsstationen auf der Reise vom Vinschgau zum Ritten 
 
Am Aschnerhof können wir erst um 15:00 Uhr einchecken. Auf der kurzen Etappe besuchen wir Erinnerungsstationen aus mehr als 40 Jahren Südtirolreisen. Der Vinschgau, von dem wir zum Ritten reisen, war über ca. 30 Jahre unser Hauptziel in Südtirol.
 
Bäckerei Schuster in Laatsch Schleis, Obervinschgau Hofkäserei Engelhorn
 
Unsere Etappe beginnt mit Einkäufen in der unmittelbaren Umgebung des Gasthofs Lamm. Gegenüber dem Gasthof liegt eine der besten Bäckereien im Vinschgau, die Bäckerei Schuster. Dort decken wir unseren Brotbedarf für die nächsten Tage. Im Nachbardorf Schleis möchten wir bei der Hofkäserei Engelhorn mehrfach prämierten Käse einkaufen. Die Käserei und ihre Produkte haben wir bei Aufenthalten im Obervinschgau kennen und schätzen gelernt. 2019 haben wir an einer Führung der Käserei teilgenommen (Post 19.07.2019). Der Hofladen der Bio-Käserei ist offiziell ab 8:30 Uhr geöffnet. Der Shop ist bei der Ankunft verschlossen. An einer Glocke mit Zugseil machen wir uns bemerkbar. Nach einiger Zeit erscheint ein Mann und erklärt uns, dass niemand vom Personal vor Ort sei und es noch eine Weile dauern würde, bis jemand zurückkäme. Auf unbestimmte Zeit wollen wir nicht warten und brechen zur nächsten Station Glurns (Fotoserie Glurns) auf. 
 
Historisches Stadtzentrum Glurns Brunnen in Glurns Historisches Stadtzentrum Glurns und Tauferer Tor
 
Der vollständig von einer Stadtmauer umgebene Ort Glurns hat weniger als 1000 Einwohner, aber historisch bedingt ist Glurns im Vinschgau der einzige Ort mit Stadtrechten und eine von acht Städten in Südtirol. Glurns kennen wir fast wie unsere Westentasche. Ca. im Jahr 1990 haben wir sogar im Rahmen der Südtiroler Dorflaufserie am Glurnser Stadtlauf teilgenommen. Im Café Riedl wollen wir Topfentaschen erstehen, ein in Südtirol typisches Gebäck mit Quarkfüllung. Topfentaschen gibt es in jeder Bäckerei, aber nirgendwo so gut wie im Café Riedl. In Glurns müssen wir akzeptieren, dass das Café seit 2022 geschlossen ist. Der mittelalterliche Charakter des malerischen Orts zieht gewöhnlich zahlreiche Touristen an. Heute wirkt der Ort fast verschlafen und erzeugt keine Neugier zum Stöbern. Glurns ist schnell abgehakt. Weiter geht es in Kortsch.
 
Blick von der Kortscher Dorfstraße zu St. Ägidius am Schatzknott Bäckerei Andreas Pilser Friedhof an der Pfarrkirche St. Johannes in Kortsch Vom Kortscher Künstler Karl Grasser gestaltete Passionsgruppe an St. Ägidius Aussichtsbank an St. Ägidius Aussicht von St. Ägidius nach Kortsch im Vinschgau
 
Das Dorf Kortsch (Fotoserie Kortsch) ist die Keimzelle unserer Begeisterung für Südtirol. Unsere Urlaubsaufenthalte in Südtirol führten über ca. 20 Jahre nach Kortsch. Aber auch Kortsch bleibt von Veränderungen nicht verschont. Im Vinschgau haben wir Standorte verlegt und mit Standorten in der Region der Dolomiten kombiniert. Die COVID-19-Epidemie hat diese Tradition 2020 zerstört. In diesem Jahr kehren wir erstmals wieder zurück.
 
Am westlichen Ende des Dorfs befindet sich die Bäckerei Pilser. Als Läufer hatten wir einen guten Kontakt zu Andreas Pilser, der ebenfalls Marathonläufer war. Vor seiner Selbstständigkeit war er Sporttrainer in der italienischen Armee. Als Bäcker betrieb er Mountainbiking und nahm an Wettkämpfen teil. Außerdem restaurierte er eine Wassermühle am Zaalwaal und bot Führungen an. Produkte der Bäckerei waren aufgrund ihres hohen Qualitätsniveaus bekannt und begehrt. Andy Pilser verzichtete jedoch auf Wachstum, um seinen Lebensstil nicht aufgeben zu müssen. Er berichtete uns, dass er ab 3:00 Uhr in der Nacht in der Backstube arbeitet. Am Morgen liefert er mit dem Auto Bestellungen seiner Vertragskunden aus. Anschließend hat er Feierabend und geht in die Berge oder betreibt Sport. Für den Verkauf im eigenen Laden ist Andys Frau verantwortlich. Sie hat spätestens um 12:00 Uhr Feierabend. Heute ist das Produktangebot um 10:00 Uhr nur noch mager, obwohl die Öffnungszeit erst um 12:00 Uhr endet. In der Vergangenheit war der Laden oft schon um 11:00 Uhr ausverkauft und geschlossen. Diese Einstellung zu Lebensstil mit Lebensqualität vs. Wohlstand und Reichtum ist uns besonders sympathisch. Wir freuen uns darüber, dass die Bäckerei noch existiert. .  
 
Als Wahrzeichen des mittleren Vinschgaus gilt das Kirchlein St. Ägidius am Schatzknott bei Kortsch. Die Sitzbank vor St. Ägidus war ein Lieblingsplatz der Eltern, die ab Mitte der 1980er Jahre über ca. 10 Jahre regelmäßig mit uns nach Kortsch gereist sind. Historisch spannender als St. Ägidius ist der Schatzknott, ein Felssporn mit prähistorischen Siedlungsspuren. Der Schatzknott wurde jedoch bisher nicht systematisch archäologisch untersucht, wie wir 2015 festgestellt haben (Post: Archäologische Kurzwanderung zum Rossladum und zu St. Georg bei Kortsch).  
 
Wenn wir in Kortsch sind, besuchen wir den Friedhof an der Pfarrkirche St. Johannes und schauen, welche uns bekannten Personen inzwischen verstorben sind. Aufgefallen ist uns Hermann Schuster. In Südtirol ist es üblich, an Grabsteinen ein Foto der verstorbenen Person anzubringen. Fotos machen uns bekannte verstorbene Personen in der Erinnerung lebendig. 
 
Erwähnenswert sind zwei bedeutende Kortscher Persönlichkeiten. Der Holzschnitzer und Bildhauer Karl Grasser ist 1923 in Kortsch geboren und 2022 in Kortsch verstorben (der Vinschger: Abschied von Karl Grasser). Karl Grasser hat in Kortsch zahlreiche Spuren hinterlassen. Während Karl Grasser Motive lokaler bäuerlicher Kultur gestaltete, entwickelte sich Robert Scherrer (1928–2026) zu einem überregional renommierten Künstler und Kunstlehrer (Morandell: Robert Scherrer). 
 
Marmorpflaster im Marmordorf Laas Marmordorf Laas Marmorfriedhof im Marmordorf Laas
 
Die Bergkette des Nördersbergs gegenüber Kortsch besteht zu hohen Anteilen aus Marmor, der historisch von Betrieben in Laas abgebaut und verarbeitet wurde. Unsere nächste Station ist das Marmordorf Laas (Fotoserie Laas) im Etschtal. Am Vinschger Nördersberg abgebauter Laaser Marmor ist wegen seiner Qualität weltweit bekannt und begehrt und hat das Dorf wohlhabend gemacht (Internetpräsenz des Unternehmens LASA MARMO). U.a. wurde der U-Bahnhof des World Trade Centers in New York mit Laaser Marmor verkleidet. In Laas sind Straßen mit Marmor gepflastert, und der Laaser Friedhof besteht nahezu ausschließlich aus Marmor-Grabsteinen. 
 
Für Interessierte sind Marmorführungen in Laas unbedingt empfehlenswert. In der Vergangenheit haben wir mehrmals an Führungen von Franz Waldner teilgenommen. Franz Waldner war Direktor der Berufsfachschule für Steinbearbeitung in Laas und hat Führungen mit großem Engagement und absoluter Kompetenz geleitet. Im Rahmen der Führungen haben wir in Laas einen Rundgang durch das Dorf unternommen, sowie die Berufsfachschule, das Marmorwerk und den Steinmetzmeisterbetrieb Mayr Josef besucht, den wir selten ohne Kauf kleiner Marmorprodukte verließen. Mit Franz Waldner haben wir aus dem Tal beobachtet, wie große Marmorblöcke aus dem Weisswasserbruch mit einer Seilbahn zum oberen Endpunkt einer Standseilbahn (Marmorbahn) transportiert wurden, um die Blöcke abwärts zum Laaser Marmorwerk zu befördern. Aus sicherheitstechnischen Gründen wurde der Betrieb der 1929 gebauten Marmorbahn 2019 eingestellt. Die Marmorbahn ist aber noch erhalten und gilt als technisches Kulturerbe. Angebote zu einer Tagestour mit Besichtigung des Marmorabbaus im Weißwasserbruch unter der Weißwand haben wir leider nicht wahrgenommen, aber wir sind mehrmals den 2012 eingerichteten Göflaner Marmorweg gewandert. Franz Waldner ist 2023 verstorben (Traueranzeige und Nachruf). 
 
Gasthof Sonneck, Allitz Mohn-Nusskuchen Marillenschnitte
 
Von Laas fahren wir den Hang hinauf zum Gasthaus Sonneck in Allitz, einem Dorf mit weniger als 300 Einwohnern am Fuß des Sonnenbergs. Das vom Koch Herbert Thanei und seiner Mutter im Service betriebene Gasthaus kennen wir seit fast 40 Jahren. Entdeckt haben wir es zu unserer Läuferzeit bei Aufenthalten in Kortsch auf einer herausfordernden Laufrunde, die von Kortsch über Allitz nach Laas und entlang der Etsch zurück nach Kortsch führte. Eingekehrt sind wir natürlich nur im Rahmen von Wanderungen. Herbert Thanei hat das Gasthaus im Vinschgau zu einer weit über Allitz hinaus bekannten kulinarischen Instanz entwickelt. Bei der heutigen Einkehr vermissen wir Herberts Mutter. Auf Nachfrage erklärt die Bedienung, dass die Seniorchefin mit 91 Jahren noch topfit sei und wahrscheinlich gerade in den Bergen unterwegs ist. Um kurz nach 11:00 Uhr gibt es noch keine Küche, aber Kaffee und Mohn-Nuss-Kuchen und Marillenschnitten. Der Kuchen schmeckt hervorragend und übertrifft gewöhnliche Bäckereiqualität um Längen.
 
Vinschger Bauernladen an Juval
Unsere letzte Erinnerungsstation ist der Vinschger Bauernladen an der Abzweigung zum Schnalstal bei Naturns. Da die Hofkäserei Engelhorn ausgefallen ist, können wir uns hier mit hochwertigem Biokäse aus regionaler Produktion und weiteren Produkten versorgen, u.a. mit der Weißwein-Cuvée Glimmer vom Castel Juval. Aufgefallen ist uns im Bauernladen, dass Preise für Vinschgauer Weine (ab 15 € aufwärts) und für Brände kräftig angezogen haben und zunehmend Bio-Weine angeboten werden, deren Preise deutlich höher liegen. Vermisst haben wir Vinschgauer Fladenbrötchen der Biobäckerei Fisolgut-Hof. In der Vergangenheit sind wir regelmäßig an der Jausenstation des Hofs neben der Schlandersburg eingekehrt (zuletzt 2008). Die Jausenstation ist seit etlichen Jahren auf unbestimmte Zeit geschlossen.
 
 
3. Gasthof Lamm, Laatsch im Vinschgau, Südtirol
 
16.07.2026: Archäologische Wanderung am Ganglegg bei Schluderns - Fotoserie
 
Wegekreuz in Schluderns Waschplatz in Schluderns Nicht barrierfreie Tür zu einer Scheune in Schluderns Wanderwegweiser in Schluderns Schluderns und Ortlergipfel Kalvarienberg bei Schluderns Wanderweg zum Ganglegg Römisches Gebäude am Ganglegg Eisenzeitliches Haus am Ganglegg Rekonstruktion eines bronzezeitlichen Hauses am Ganglegg
 
Nach Regen in der Nacht wird es heute schwül-warm. Am Morgen unternehmen wir eine Wanderung auf das Ganglegg, eine Kuppe des Sonnebergs oberhalb des Orts Schluderns, auf der archäologische Grabungen Reste historischer Höhensiedlungen freigelegt haben. Aus dem Ort führen zwei Zugänge zum ca. 200 m höheren Ganglegg. Wir wählen den als Wanderweg 18 markierten aussichtsreichen steilen Anstieg über einen als Kalvarienberg bezeichneten Passionsweg mit mehreren Kapellen. Da wir den Weg schon häufiger gegangen sind, ist der ziemlich steile Anstieg keine Überraschung, aber eine Herausforderung. Ab Schluderns sind 30 Minuten Gehzeit zum Ganglegg angegeben. Inkl. kurzer Pausen benötigen wir fast die doppelte Zeit und sind trotzdem zufrieden, diesen Weg bewältigen zu können.
  
Historisch war der Hügel dicht besiedelt, aber die meisten Ausgrabungen wurden nach wissenschaftlicher Untersuchung und Dokumentation zu ihrem Schutz wieder mit Erde bedeckt. An einem mit Schautafeln als Lehrpfad gestalteten Rundweg wurden mehrere Gebäudereste zugänglich gelassen und teilweise mit Dächern geschützt. Auswertungen der archäologischen Untersuchungen lassen auf vier Siedlungsperioden schließen, die von der Kupferzeit (3300–2200 v. Chr.) über die Bronzezeit (14.–13. Jahrhundert v. Chr.) und Eisenzeit (ab 4. Jahrhundert bis 16/15 v. Chr.) bis zur Spätantike (2. Hälfte des 3. Jahrhunderts bis 4. Jahrhundert n. Chr.) reichen. Rekonstruktionen eines bronzezeitlichen und eines eisenzeitlichen Hauses vermitteln Eindrücke historischer Bauweisen. Bei Grabungen gefundene kulturelle Artefakte und eine Dokumentation der Grabungen können im Vintschger Museum in Schluderns besichtigt werden.
 
Ab dem Ganglegg könnten wir nun Waalwegen in der Schlucht des Saldurbachs folgen, die wir schon oft gegangen sind. Als Waale werden in Südtirol Kanäle eines landwirtschaftlichen Bewässerungssystems bezeichnet. In der inzwischen zunehmenden Hitze ist uns dieser Weg heute zu weit. Stattdessen steigen wir vom Ganglegg auf einem sonnigen und schweißtreibenden Serpentinenweg in Richtung Saldurbach bis zu einem Waalweg mit unterirdisch verlaufender Wasserführung ab. Auf dem Waalweg umrunden wir die Kuppe des Ganlegg, bis wir den Weg Nr. 18 am Kalvarienberg erreichen, auf dem wir steil absteigend nach Schluderns zurückkehren (2:50 Std. Gesamtzeit).  
 
 
15.07.2026: Reise vom Schwarzwald nach Südtirol - Fotoserien: Anreise, Gasthof Lamm
 
Passhöhe Flüelapass, 2.383 m Ausblick von der Passhöhe Flüelapass, 2.383 m, in Richtung Westen Ausblick von der Passhöhe Ofenpass nach Osten in Richtung Val Müstair und Ortlergipfel
 
Unsere Reiseroute führt durch die Schweiz über den Flüelapass (2.383 m) und den Ofenpass (2.149 m) sowie durch den Schweizerischen Nationalpark im Kanton Graubünden. Die Route ist nicht die schnellste aller Optionen, aber die kürzeste und mit zahlreichen Erinnerungen gespickt. Die Wetterlage stimmt heute auf Veränderungen ein. Ab dem Flüelapass beginnen Regenschauer, die im Nationalpark in Dauerregen übergehen. Eindrücke dieser großartigen wilden Landschaft blieben unter diesen Bedingungen blass, wenn wir sie nicht mit eigenen Erinnerungen anreichern könnten. 
 
Ab Davos ist die Frau im nicht mehr jugendlichen Alter von 52 Jahren erfolgreich den K42 des Swiss Alpin Marathons gelaufen, ein Trail-Marathon über mehrere Pässe und fast 2.000 Höhenmeter (Post: Swiss Alpin K42 2002). Der Mann konnte zu seinem großen Bedauern trotz Top-Form nicht zum K78 antreten, weil er sich wenige Tage vor dem Start auf einer Bergtour verletzt hatte. Vorbereitet haben wir uns u.a. mit einem Berglauf von Kortsch zum Gasthof Hasl am Nördersberg über Göflan. Freunde sind mit dem Auto vorausgefahren. Nach dem Berglauf haben wir gemeinsam eine ca. vierstündige Bergtour über die Göflaner Scharte unternommen.
 
Im Schweizerischen Nationalpark haben wir großartige Bergtouren unternommen. Ofenpass und Flüelapass überquerten wir regelmäßig, wenn wir von Südtirol zu anspruchsvollen Hochtouren in die Westalpen reisten. Den Ofenpass haben wir mit dem Rennrad (ohne Strom) erklommen, um uns auf eine Radtour über das Stilfser Joch (2.757 m) vorzubereiten, das unter Radfahrern ähnlich legendär ist wie das Matterhorn für Bergsteiger. 
 
Gasthof Lamm, Laatsch Zimmer im Gasthof Lamm,Laatsch Zimmer im Gasthof Lamm,Laatsch
 
Um 15:00 Uhr treffen wir am Gasthaus Lamm in Laatsch ein. Qualitativ hochwertige Einrichtungen des geräumigen Zimmers mit ordentlichen Betten, Balkon sowie des großen Bads verzichten auf jede Folklore und übertreffen unsere Erwartungen deutlich. So wohnen wir gerne.
 
Halbpensions-Menü Gasthof Lamm, Laatsch Salat vom Buffet Rindsgulasch mit Polenta und Gemüse Dinner Gasthof Lamm, Laatsch
 
Die Unterkunft haben wir mit Halbpension gebucht. Das Küchenniveau bleibt hinter dem Niveau des Wohnkomforts deutlich zurück. Serviert wird eher deftige Hüttenkost für den Energiebedarf von Bergsteigern. Vergleiche zu den Genießer-Menüs der vergangenen 5 Tage im Gasthaus zum Kreuz sind nicht angebracht. Für die beiden gebuchten Tage können wir uns mit der Küche arrangieren. Das Dinner des nächsten Abends gefällt uns besser. Für 1/4 l Hauswein berechnet der Gasthof 3,60 € und für den guten Espresso 1,60 €. Trotzdem werden wir beim nächsten Aufenthalt nur das Zimmer im Gasthof Lamm buchen und das Abendessen gleich nebenan im Restaurant Calva oder im Gasthof zum Gold'nen Adler im Nachbardorf Schleis einnehmen.

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