Mittwoch, 5. August 2026

Vorschau Kulturtrip nach Bremen zum 150. Geburtstag von Paula Modersohn-Becker

Paula Modersohn-Becker, Kinder mit Laternen vor Haus, 1901
Kinder mit Laternen vor Haus, um 1901
Anlässlich des 150. Geburtstags von Paula Modersohn-Becker haben wir dank Bremen Tourismus ein Programm mit zwei Übernachtungen im Hotel Radisson Blu in der historischen Altstadt gebucht (Die Pauschale zum 150. Geburtstag). Da wir Bremen bisher nicht kennen und die Altstadt erkunden möchten, ergänzen wir eine zusätzliche Übernachtung. Gemäß Goethes Aussage "Man erblickt nur, was man schon weiß und versteht", reisen wir nicht unvorbereitet nach Bremen. Dieser Post beschreibt unsere Motivation zur Bremen-Reise im Zeitraum 6.08.–9.08.2026. Während der Reise erlaubt unser dichtes Programm keine Ergänzungen dieses Posts. Über unsere Aktivitäten berichten nach der Reise zwei Posts: 


Biografische Skizze 
 
Nachfolgende Anmerkungen dieses Posts basieren auf dem ausführlichen Wikipedia-Eintrag Paula Modersohn-Becker sowie auf einen Beitrag im Portal Bremer Frauengeschichten: Minnie Hermine Paula Modersohn-Becker, geb. Becker
 
Paula Modersohn-Becker ist 1876 als drittes von sieben Kindern in einer großbürgerlich-weltoffenen, kunstaffinen Familie in Dresden geboren. 1888 zog die Familie nach Bremen. Um auf Wunsch der Eltern Haushaltsführung und Englisch zu lernen, verbrachte Paula 1892 ein halbes Jahr bei Verwandten in England. In England erhielt Paula Kunstunterricht. Von 1893 bis 1895 besuchte Paula in Bremen ein Lehrerinnenseminar, das sie mit gutem Abschluss bestand. Während dieser Zeit erhielt sie privaten Malunterricht und richtete sich im elterlichen Haus ein Atelier ein. Ein Studium an einer Kunstakademie war ihr als Frau verwehrt. Stattdessen besuchte sie ab 1896 über 1,5 Jahre eine renommierte Malschule in Berlin und verbrachte in Berlin viel Zeit in Museen.
 
Grab von Paula Modersohn-Becker auf dem Friedhof Worpswede mit Plastik von Bernhard Hoetger
Grabmal Paula Modersohn-Becker in Worpswede
Ab 1897 kam Paula Modersohn-Becker in Kontakt mit Malern der Künstlerkolonie Worpswede im Teufelsmoor. Der Worpsweder Künstlerkreis war an Kunstakademien ausgebildet, distanzierte sich aber von akademischer Kunst und bemühte sich um ein neues Kunstverständnis. 1898 zog Paula nach Worpswede. Sie erhielt dort Mal- und Zeichenunterricht und knüpfte Freundschaften zu Worpsweder Künstlern. 1901 heiratete Paula Becker den verwitweten Worpsweder Maler Otto Modersohn (1865–1943), Mitbegründer der Künstlerkolonie. Modersohn bewunderte Paulas Arbeiten und förderte ihre künstlerische Entwicklung. Das von dem Paar entwickelte gemeinsame Kunstverständnis beschreibt ein Kapitel im Wikipedia-Eintrag Otto Modersohn: 1900–1907 – Gemeinsame Zeit mit Paula Modersohn-Becker. Auf Betreiben von Paula, die für immer nach Paris gehen wollte, trennte sich das Paar im Februar 1906. Otto Modersohn unterstützte Paula weiter finanziell. Im Oktober 1906 kam das Paar in Paris wieder zusammen und kehrte im März 1907 gemeinsam nach Worpswede zurück. Paula wurde schwanger und brachte im November 1907 in einer schwierigen Geburt eine Tochter zur Welt. 18 Tage später verstarb Paula an einer Embolie in Worpswede, wo sie bestattet wurde. Die Plastik des Grabmals schuf Bernhard Hoetger.
 
 
Paula Modersohn-Beckers Karriere als Malerin und die Rezeption ihrer Werke
 
1899 konnte sich Paula in der Kunsthalle Bremen mit mehreren Bildern an einer Ausstellung beteiligen. Gezeigte Bilder wurden vernichtend kritisiert. Paula reagierte darauf mit einer Umorientierung in Richtung französischer Avantgarde, die sie bei mehreren Aufenthalten in Paris studierte. In Summe verbrachte sie ca. zwei Jahre in Paris, wo sie sich intensiv mit der zeitgenössischen französischen Avantgarde befasste. Angeregt durch die französische Avantgarde mischte Paula Elemente verschiedener Stilrichtungen und entwickelte eine eigene Bildsprache, die in der Kunstgeschichte weitgehend isoliert blieb. Verwandtschaften zu Paul Cézanne, Paul Gauguin und Vincent van Gogh sind jedoch zu erkennen. Stilistisch werden Modersohn-Beckers Werke dem Expressionismus zugeordnet. Der expressive Stil prägt sich in Paula Modersohn-Beckers später Werkphase aus. Landschaftsbilder von Paula Modersohn-Becker und von Gabriele Münter (1877–1962) zeigen stilistische Ähnlichkeiten. Wahrscheinlich kannten sich die beiden Malerinnen nicht.
 
Ähnlich wie im Fall Gabriele Münters wurde Paula Modersohn-Beckers kunsthistorische Bedeutung zu ihren Lebzeiten öffentlich nicht wahrgenommen. Trotzdem wurden ihre Arbeiten während des Nationalsozialismus aus rassentheoretischen Gründen als vermeintlich menschenunwürdige „entartete Kunst“ diffamiert und durften nicht ausgestellt werden. Wichtig und ideologisch konform waren nur männliche Maler und naturalistische Darstellungen. Das hat sich glücklicherweise prinzipiell geändert, aber nicht generell durchgesetzt. Im Gegenteil verbreitet sich aktuell per Social Media eine als Manosphere bezeichnete politisch rechtsextreme Ideologie männlicher Überlegenheit in Verbindung mit Frauenfeindlichkeit und Frauenhass (Deutschlandfunk: Frauenhass als Social-Media-Trend).  
 
Obwohl Paula Modersohn-Becker nur 31 Jahre alt wurde, hat sie ca. 750 Gemälde und mehr als 1000 Zeichnungen hinterlassen. Verkauft hat sie in ihrem Leben nur 5 Gemälde, davon eines an Rainer Maria Rilke, zu dem sie Kontakte hatte und der früh ihre Begabung erkannte. Nach ihrem Tod erwarb Rilke weitere 28 ihrer Gemälde. 
 
Paula Modersohn-Becker, Selbstbildnis nachhalblinks, ca. 1897
Selbstbildnis nach halblinks, 1897
Paula Modersohn-Becker Selbstbildnis mit zwei Blumen in der erhobenen linken Hand, 1907
Selbstbildnis mit zwei Blumen, 1907
Systematische Aufarbeitungen des Werks setzten erst nach dem Zweiten Weltkrieg ein. U.a. zeigten die documenta von 1955 und von 1964 mehrere Werke. In der Gegenwart gilt Paula Modersohn-Becker als Pionierin des Expressionismus und der klassischen Moderne und wird mitunter als Deutschlands Picasso bezeichnet. Ihre Gemälde erzielen im Kunsthandel Preise ab 100.000 € aufwärts. Hauptwerke werden um 500.000 € gehandelt. Den Höchstpreis erzielte bisher das Selbstbildnis nach halblinks aus dem Jahr 1897 mit 1,27 Millionen Euro. Eine große Sonderausstellung in Paris zeigte 2016 erstmals eine Retrospektive. Das New Yorker Museum of Modern (MoMa) hat das Selbstbildnis mit zwei Blumen aus dem Jahr 1907 als Schenkung in seine Sammlung aufgenommen (Weser Kurier: Paula in Amerika). 2024 fand in New York eine große Retrospektive mit dem Titel "Ich bin Ich / I Am Me" statt. Die New York Times, eine der global bedeutendsten Tageszeitungen, würdigte die Malerin in mehreren Artikeln und bezeichnete sie anlässlich der Retrospektive als wegweisende Künstlerin. Julia Voss würdigt Paula Modersohn-Becker in einem lesenswerten Beitrag des Magazins Weltkunst: Paula Modersohn-Becker: Ein Leben für die Kunst
 
 
Verweise zu aktuellen Ausstellungen in Bremen, Worpswede und Dresden
 
In Bremen brachte die Paula-Modersohn-Becker-Stiftung etliche Meisterwerke in das ausschließlich der Malerin gewidmete Paula Modersohn-Becker Museum ein. Aktuelle und geplante Ausstellungen:
 
Links zu ergänzenden Informationen 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen